© REUTERS/LEONHARD FOEGER

Leitartikel
12/09/2021

Salzburgs Erfolgsrezept: Viel Geld, aber noch mehr Mut und Weitblick

Der Aufstieg ins Achtelfinale der Champions League markiert einen Meilenstein für den österreichischen Fußball. Das Red-Bull-System findet Nachahmer, aber leider eher im Ausland.

von Philipp Albrechtsberger

Man soll mit dem Begriff historisch vorsichtig umgehen. Der Sport ist da keine Ausnahme – ganz im Gegenteil. Seine Berichterstatter bedienen oft und gerne diverse Superlative, wenn es darum geht, Erfolge einzuordnen oder – schlimmer – zu bejubeln.

Ganz nüchtern lässt sich seit Mittwochabend festhalten: Mit dem FC Salzburg hat es erstmals ein österreichischer Fußballverein in die K.-o.-Runde der Champions League geschafft. Mit dem jüngsten Kader aller Teilnehmer in den Bewerb gestartet, gehört Österreichs Meister damit zu den 16 besten Vereinen Europas.

Man muss kein Fan der oft viel zu präsenten Marke Red Bull sein, um darin etwas Großes zu erkennen.

Der Volkssport Fußball hat als internationales Geschäfts- und Unterhaltungsmodell längst Dimensionen erreicht, weshalb die Salzburger Leistung auch außerhalb der rot-weiß-roten Grenzen Anerkennung finden wird. Gut möglich sogar, dass dieser Meilenstein – ja, in diesem Fall ist der Begriff zulässig – gerade im Ausland mehr Wertschätzung erfährt als hierzulande. Nicht nur im Spitzensport haben die letzten Wochen bewiesen, wie schwer man sich in Österreich tut, dem Mitbewerber ein Mindestmaß an Respekt entgegenzubringen.

Österreichs Fußballbetrieb wäre gut beraten, gerade jetzt kurz innezuhalten, Bilanz zu ziehen und dann auch unangenehme Fragen zuzulassen. Was sind die Zutaten des Salzburger Erfolgsrezepts? Und welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen? Es sind Fragen, die sich die mittlerweile erschreckend kleinen Wiener Großklubs Rapid und Austria stellen müssten. Salzburg hilft dank der vielen anderen Red-Bull-Aktivitäten (Motorsport, Tanz, Kulinarik) auch der Blick über den Tellerrand. Der könnte auch bei den Konkurrenten für neuen Hunger sorgen, doch womöglich versperrt schlicht das Schnitzel die Sicht.

Harte und blamable Lehrjahre

Es wäre obendrein zu billig, alles mit der finanziellen Übermacht zu beantworten. Erstens nimmt im Konzert der nun 16 ganz Großen Salzburg bestenfalls den Part des Triangels ein; zweitens musste auch Dietrich Mateschitz das moderne Fußball-Business erst verstehen lernen. Um in einer Liga mit Grödig oder Hartberg Meister zu werden, genügte auch die alte Philosophie, die auf den Einsatz von namhaften, aber in die Jahre gekommenen Legionären ausgerichtet war. International scheiterte man damit oft und grandios (Stichwort: Düdelingen). Die Blamage in Luxemburg war der Gipfel, aber bereits davor war etwas in Gang gesetzt worden, das als Red-Bull-System Nachahmer findet und Maßstäbe setzt.

Die größten Talente (auch bei Trainern) finden, sie mit System ausbilden, ihnen vertrauen und sie irgendwann um viel Geld auch wieder ziehen lassen – ein so aufwendiges Scouting- und Ausbildungsmodell braucht Mut. Und Geld. Salzburg weiß die Millionen aber auch einzusetzen.

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