© REUTERS/LEONHARD FOEGER

Pro und Contra
04/19/2021

Turnschuhe bei der Angelobung - geziemt sich das?

Wolfgang Mückstein trug am Montag Sneakers. Ist das dem Amt eines Ministers angemessen?

von Elisabeth Holzer, Katharina Salzer

PRO

Ich habe meiner praktischen Ärztin noch nie auf die Füße geschaut. Wäre ich Patientin  ihres Kollegen Wolfgang Mückstein, täte ich das auch bei ihm nicht.
Nun ist Mückstein aber seit Montag Gesundheitsminister. Schon bei seiner Präsentation trat er auf, wie er auch in seine Praxis gehen würde: Jeans, Sakko - und Sneakers.

Mehr hat es nicht gebraucht. Darf er denn das? Turnschuhe?  Wie  progressiv, lobten die einen. Unpassend, monierten die anderen und mahnten, zur Angelobung wird der Herr Minister ja wohl nicht als Herr Doktor verkleidet erscheinen.

Minister Mückstein kam aber am Montag als Arzt Mückstein. Also in Sneakers, diesmal grau-weiß und nicht oliv wie vergangene Woche. Und? Gegen welches Anstandsgebot verstößt er damit? Mir fällt keines ein. Abgesehen davon, dass sich mir Fortschrittlichkeit nicht durch den Blick auf Schuhe erschließt: Wozu führen wir die Debatte? Die Kleidungswahl sagt nichts über die Kompetenz eines Menschen in Fachfragen aus. Was kommt als Nächstes? Die Frage, worin Mückstein Akten transportiert?

Wenn die Wahl seiner Schuhe die dringlichste  Frage   ist, die die Österreicher an ihren neuen Gesundheitsminister haben, dann geht’s uns allen sehr gut.  Solange  er für genug Impfstoff und dessen rasche Verabreichung sorgt, darf Minister Mückstein meinetwegen in Flipflops laufen. Doktor Mückstein dürfte mich jedenfalls auch in Schlapfen  impfen.


Elisabeth Holzer Die Autorin ist Chronik-Redakteurin in der Steiermark

CONTRA

Also wieder Turnschuhe und keine Krawatte.   Wolfgang Mückstein kam zu seiner Angelobung als Gesundheitsminister – wie schon zu seinem ersten Auftritt – leger gekleidet (aber zumindest im Anzug,  nicht in Jeans). Dem Anlass entsprechend?
Nein.

Kleidung ist ein Symbol. Joschka Fischers Turnschuhe, die er zur Angelobung  als hessischer Umweltminister trug, stehen auch heute noch für seine Unangepasstheit, für Widerstand.  Damals, im Jahr 1985, war der Turnschuh ein Statement. Heute ist er Alltagskluft.  Alltag eben.  Den derzeit wichtigsten Ministerposten  in Österreich zu übernehmen, ist aber alles andere als gewöhnlich.  Genauso wie  vor dem Bundespräsidenten „Ich gelobe“ zu sagen. Das demokratische Amt verdient Respekt, auch mit der Wahl der Kleidung.  Alltäglich angezogen gibt der Minister seinem Antritt
 zu wenig Gewicht, wenn er aussieht wie viele von uns jeden Tag. Das mag bewusst gewählt worden sein.  Turnschuhe – oft und gerne (nicht nur in der Freizeit, auch im Büro oder beim Weggehen); aber nicht in der Präsidentschaftskanzlei.

Die Sneakerdiskussion  kann damit aber auch wieder zu Ende sein, und auch jene, dass Wolfgang Mückstein wie sehr viele andere Politiker keine Krawatte trug. Gemessen wird der Minister in den kommenden Wochen und Monaten ohnehin an seinen Leistungen in Zeiten der Pandemie.


Katharina Salzer Die Autorin ist stv. Ressortleiterin Sonntag

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