Aufruf zur Booster-Impfung in Großbritannien: Österreich liegt beim Drittstich europaweit im Spitzenfeld.

© EPA/ANDY RAIN

Leitartikel
12/27/2021

Optimismus ja, aber auch Geduld

Als "erfreulich" bezeichnen Fachleute Daten über mildere Erkrankungen bei Omikron. Trotzdem bleiben sie vorsichtig.

von Ernst Mauritz

"2022 muss das Jahr sein, in dem wir die Pandemie beenden", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Gemeinsam mit seinen Top-Wissenschafterinnen und -Wissenschaftern verbreitet er auch Zuversicht: Gerechtere Impfstoffverteilung, Impfstoffe der zweiten und dritten Generation sowie neue Therapien sind der Weg dorthin.

Hingegen könne man sich auf erste Daten, wonach Infektionen mit Omikron milder verlaufen, noch nicht verlassen, so der WHO-Chef sinngemäß.

Natürlich ist die Hoffnung groß: Führt eine tatsächlich weniger krankmachende Virusvariante in Kombination mit einer breiten Immunität der Bevölkerung – durch Impfungen und durchgemachte Infektionen – dazu, dass die meisten nur noch einen Schnupfen bekommen, dann ist es Zeit für den herbeigesehnten Paradigmenwechsel: Dann muss man keine Angst mehr vor einer Überlastung der Spitäler haben, dann geht man bei erkältungsähnlichen Corona-Symptomen in den Krankenstand – aber nicht mehr in Quarantäne.

Das nennen dann die Fachleute "endemische Phase" – das neue Coronavirus wird zu einem Begleiter der Menschen wie ältere Coronaviren oder auch die saisonalen Grippeviren. "Wir steuern auf diese Phase zu", sagt die Epidemiologin Eva Schernhammer von der Med-Uni Wien, selbst Mitglied des Gecko-Expertengremiums. Österreich sei durch die vielen Infektionen in der Delta-Welle und den relativ hohen Anteil an den Booster-Impfungen gar nicht schlecht aufgestellt: "Es kann sein, dass wir bald in dieser Phase sind – aber wann das genau sein wird, wissen wir noch nicht."

Viele Unsicherheiten

Zu viel ist noch unsicher: Daten über die Folgen einer Omikron-Infektion für Ältere und Ungeimpfte fehlen weitgehend. Erkenntnisse, dass sich Omikron viel besser in den Bronchien als in der Lunge vermehrt, stammen aus Versuchen mit Zellen und an Hamstern im Labor. Und: Wenn es bei Omikron tatsächlich nur zirca zwei Tage dauert, bis ein Neuinfizierter Symptome bekommt (statt vier bis fünf), kann das von der Summe der Erkrankungen her trotzdem problematisch werden – auch viele Krankenstände mit milderen Verläufen können das Aufrechterhalten etwa der Diensträder in den Spitälern gefährden.

Das alles ändert aber nichts daran, dass ein optimistischer Blick auf 2022 berechtigt ist. Jeden Tag kommen neue Puzzlesteine, die das Omikron-Bild vervollständigen, Fachleute sprechen von "erfreulichen Daten". So könnte in Dänemark laut jüngsten Analysen das Worst-Case-Szenario von überfüllten Spitälern vermieden werden. Möglicherweise ist diesmal eine abgenutzte Phrase leicht abgewandelt doch angebracht: Licht am Ende des Tunnels? Bis Klarheit vorliegt, gilt ein Satz von Schernhammer: "Wir können uns die Zukunft schon ausmalen – aber dort sind wir noch nicht."

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