Leitartikel
01/07/2022

Omikron oder das Ende für Lockdowns: Der Staat kann’s nicht mehr richten

Wenn man sich sogar im Supermarkt oder im Freien anstecken kann, sind praktikable Kontaktverbote kaum noch möglich.

von Daniela Kittner

Omikron eröffnet eine neue Phase in der Pandemiebekämpfung. Die vorherrschende Covid-Variante ist offensichtlich in der Lage, sehr effizient Immunitätslücken aufzuspüren und in kurzer Zeit viele Menschen zu befallen. Das kann man nach den bisherigen Erfahrungen in vielen Ländern wohl als Tatsache annehmen.

Die höhere Infektiosität bedeutet, dass die bisher praktizierten „Maßnahmen zur Kontaktreduktion“, wie Lockdowns euphemistisch umschrieben werden, weniger wirken. In den Niederlanden konnte man das auch sehen, dort sind die Ansteckungszahlen trotz harten Lockdowns um 35 Prozent gestiegen. Ursache? Laut deutscher Ärztezeitung: Omikron.

Somit ändert sich die Corona-Politik in einem entscheidenden Punkt:

Der Staat kann’s nicht mehr richten – zumindest nicht mehr in dem Maß wie bisher. Wenn man sich an der Supermarktkasse, in der U-Bahn oder sogar im Freien schon anstecken kann, dann stößt die Politik mit Kontaktverboten, die einigermaßen praktikabel und akzeptabel sind, an ihre Grenzen.

Der Simulationsforscher Niki Popper hat es im KURIER auf den Punkt gebracht: Früher oder später – mit Omikron wohl eher früher – wird sich jede und jeder gegen Covid immunisieren. Die Frage ist lediglich, ob das durch Impfung oder durch Ansteckung geschieht. Oder durch eine Kombination aus beidem.

Man kann es auch drastischer ausdrücken. „Durchseuchung wird passieren“, sagt GECKO-Co-Chefin Katharina Reich im ORF-Radio. Das ist das Eingeständnis, dass der Staat, anders als zu Beginn der Pandemie, vulnerable Gruppen nicht mehr vor Infektion schützen kann – und rechtlich vielleicht auch gar nicht mehr darf. Denn es gibt ja inzwischen ein „gelinderes Mittel“, als mit Lockdowns tief in die Grundrechte einzugreifen – die Impfung. Jeder Stich, nicht nur der dritte, verringert das Risiko eines schweren Verlaufs und damit der Überlastung des Gesundheitssystems. Italien trägt den geänderten Umständen insofern Rechnung, als es für über 50-Jährige die Impfpflicht einführt.

Versuchen muss die Politik sehr wohl, die Omikron-Welle zu bremsen: Man muss Zeit fürs Impfen gewinnen und verhindern, dass durch massenhafte Krankenstände die Versorgung zusammenbricht. Insofern scheint die Vorgangsweise der Regierung, bestehende Maßnahmen endlich durch Kontrollen und Sanktionen durchzusetzen, zielführend. Die Maßnahmen bevorzugen Geimpfte und verstärken den Druck auf Ungeimpfte.

Rund eine Million Menschen setzt sich – allen Impf-Appellen zum Trotz – ungeschützt der Omikron-Variante aus. Für sie kommt die Impfpflicht diesmal zu spät – aber für die nächste Virus-Welle ist dann wenigstens vorgesorgt.

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