© EPA/SHAWN THEW

Leitartikel
01/07/2021

Nach Trump: Die Zauberlehrlinge Twitter und Facebook

Twitter und Facebook greifen endlich durch. Es hat dazu nur einen Umsturzversuch von Trumps Anhängern gebraucht.

von Philipp Wilhelmer

Als alles schon zu spät war, zogen Facebook und Twitter den Stecker: Die beiden sozialen Netzwerke sperrten Donald Trump vorübergehend von seinen Accounts aus, nachdem er einen Mob ihm höriger Radikaler dazu angestachelt hatte, Revolution zu spielen. Die Trump-Anhänger hatten das ehrwürdige Kapitol gestürmt – vier Leute starben.

Ein trauriges vorläufiges Ende der Liaison von digital und radikal, befeuert durch Algorithmen der Schrankenlosigkeit.

Trump ist der Social-Media-Präsident schlechthin. Andere mögen sich durch Kabinettssitzungen plagen – der 45. Präsident der Vereinigten Staaten schickte lieber spontane Tweets aus, mit denen er die Marschrichtung vorgab. Hier erreichte er fast 90 Millionen Follower direkt und teilte Verschwörungstheorien – über die angebliche Staatsbürgerschaft seines Amtsvorgängers Barack Obama bis zur Behauptung, die Wahl sei ihm gestohlen worden.

Nachdem seine Fans auf den Capitol Hill gezogen waren, dort Scheiben eingeschlagen und sich wie Bürgerkriegsmilizen in Bürosesseln geflüchteter Abgeordneter gerekelt hatten, wurde Trump also von seinen Accounts ausgesperrt. Wir wissen damit endlich, was notwendig ist, um die Herren Zuckerberg und Co. dazu zu bewegen, volle Verantwortung für das Treiben auf ihren milliardenschweren Plattformen zu übernehmen. Sie wirken leider wie Zauberlehrlinge: Die Maschine hat ein Eigenleben bekommen.

Als Trump vor vier Jahren mit einem Rucksack voller Lügen, die er via Social Media verbreitet hatte, ins Weiße Haus einzog, ließ man ihn weiter twittern. Als er sich mit Verschwörungstheorien seiner demokratischen Abwahl widersetzte, versetzte man seine Posts mit Warnhinweisen, dass der Wahrheitsgehalt nicht gegeben sei. Allein: Die Saat war schon aufgegangen. Die Verblendeten haben sich nach vier Jahren Dauerbeschallung durch Trump bereits fest in einer parallelen Realität eingegraben. Miteinander kommunizieren sie ohnehin schon auf anderen Diensten wie Telegram.

Dort können sie sich mit Corona-Leugnern aus unseren Breiten die Hand geben, die digitale Umsturzpläne wälzen. Wie die Corona-Demos zeigen, sind auch wir nicht davor gefeit, von im Netz radikalisierten Fanatikern terrorisiert zu werden.

Hier hilft auch kein Gesetz gegen „Hass im Netz“, so löblich diese Initiative der Bundesregierung auch ist. Desinformation zu reglementieren funktioniert nicht, ohne die freie Meinungsäußerung aller einzuschränken. Wir sind in Wahrheit darauf angewiesen, dass die Betreiber von Facebook und Co. für das Gemeinwohl eintreten und sich selbst beschränken: Ihre Algorithmen sind perfekt darin, Hass und Lügen zu verbreiten. Sie sollten ihre technologische Superpower dafür einsetzen, das zu unterbinden.

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