Martina Salomon

KURIER-Chefredakteurin Martina Salomon

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Leitartikel
02/24/2020

Mut zur Veränderung

Wenn Risikobereite und unternehmerisch Denkende weggehen, werden wir unseren hohen Wohlstand nicht erhalten können.

von Martina Salomon

Veränderung ist ein großes Wort. Von allen gefordert und von fast allen bejammert, sobald man individuell betroffen ist. Aber ob gewollt oder nicht: Wir leben in Zeiten dauernder Disruption – das Modewort der vergangenen Jahre. Nach der Smartphone-Revolution bahnt sich gerade eine fundamentale Änderung unserer Mobilität an: von E-Mobilität bis autonomes Fahren. Das wiederum wird auch Österreichs Wirtschaft verändern, ist sie doch gerade im Autozuliefer-Bereich besonders stark engagiert.

Und wer hat erwartet, dass ein Grippevirus das Leben in Teilen der Welt zum Stillstand bringen kann? Mittlerweile sogar in Europa. In Norditalien wurden am Wochenende ganze Städte abgeriegelt. Niemand kann sagen, ob daraus eine wirklich große Krise wird. In unserer globalisierten Welt ist nicht mehr egal, ob in irgendeiner chinesischen Metropole etwas passiert. Alles hat überall Auswirkungen.

Auch in der Politik ist in den vergangenen Jahren kein Stein auf dem anderen geblieben. Niemand hätte mit Donald Trump als US-Präsidenten, mit dem Ausscheiden der Briten aus der EU oder mit dem Medienphänomen Greta Thunberg gerechnet. Und in Österreich nicht mit dem Fall Ibiza, der Selbstzerstörung der FPÖ und einer grünen Regierungsbeteiligung.

Wobei die Nagelprobe für den Veränderungswillen der Bürger erst kommen wird. Denn der Klimaschwerpunkt auf europäischer wie auf nationaler Ebene wird ja nicht nur Petitessen à la Plastikstrohhalmverbot bedeuten, sondern einschneidende Veränderungen, wenn man es denn ernst meinen sollte. Werden die Europäer noch die Avantgarde der Klimaschützer sein wollen, wenn sie deutlich höhere Benzinpreise zahlen und Tausende ihre funktionstüchtige Ölheizung auswechseln müssen?

Das französische Beispiel ist wenig ermutigend. Auch wenn dort noch andere Faktoren eine Rolle spielen und die Franzosen besonders streikfreudig sind: Den Volksaufstand gegen Benzinpreiserhöhung und Pensionsreform kann es auch anderswo geben. Wobei hierzulande die Pensionsreform eine so heiße Kartoffel ist, dass ohnehin jeder die Finger davon lässt – zum Schaden künftiger Generationen.

Als Alarmsignal zu werten ist auch die Kritik von „Gründerpapst“ Hansi Hansmann (kürzlich im KURIER), dass Österreich seine Start-up-Szene vernachlässigt hat, obwohl die Voraussetzungen gut gewesen wären. Wenn Risikobereite und unternehmerisch Denkende weggehen und die Fans des Rundum-Versorgungsstaats bleiben (bzw. angezogen werden), ist unser hoher Wohlstand kaum zu erhalten. Das wird dann Disruption pur.

Im ersten Schritt verlangt Veränderung immer Mut und den Willen, sich aus der Komfortzone raus zu begeben. Eine Firma und eine Gesellschaft, die das nicht wagt, gestaltet die Veränderung nicht selbst, sondern wird mitgerissen. Auch ohne Coronavirus.

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