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Leitartikel
10/09/2020

Die Zukunft, eine Frage der Stimmung

Optimismus in schwierigen Zeiten können wohl nur Politiker mit Charisma erzeugen.

von Wolfgang Unterhuber

Der Politiker Ludwig Erhard gilt als Vater des deutschen Wirtschaftswunders. Von ihm stammt die Feststellung, wonach eine allgemeine gute Stimmung für eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik der wesentlichste Faktor sei. In der aktuellen Krise fährt der Zug bekanntlich in die andere Richtung. Seit Israel einen zweiten Lockdown verhängt hat, geht auch in Europa wieder das Gespenst der „Ausgangssperre“ um.

Das ist natürlich undenkbar. Lars Feld, Chef der sogenannten „Wirtschaftsweisen“, warnte schon Ende August vor einem zweiten Lockdown. Ein solcher, so der Experte, „wäre katastrophal für die Wirtschaft“. In Österreich hat aktuell das Wirtschaftsforschungsinstitut gleichsam als Zusatzaufgabe zu den üblichen Prognosen die Folgen eines zweiten Lockdowns berechnet. Ein solcher würde für das kommende Jahr bestenfalls ein Wirtschaftswachstum entlang der Nullgrenze bedeuten.

Bislang sind solche Szenarien hierzulande freilich noch theoretisch. Denn ein zweiter Lockdown wäre politisch und verfassungsjuristisch erst bei einem Kollaps des Gesundheitssystems möglich. Doch längst hat sich die Systematik der ökonomischen Beeinträchtigung durch die Gesundheitskrise verfeinert. Seit die Politik quer durch alle Länder damit begonnen hat, Reisewarnungen zu verhängen, braucht es für Branchen wie den Tourismus ohnedies keinen Lockdown mehr. Aufgrund der Reisewarnungen kommen auch so keine Gäste. Die Wirtschaft befindet sich somit völlig in der Hand der Gesundheitspolitik. Das sorgt für Unsicherheit. Und für schlechte Stimmung. Beides ist für die ökonomische Entwicklung Gift. Die Sparquote steigt, die Konsumlaune sinkt. Es müsste umgekehrt sein. Die Stimmung wird auch nicht besser, wenn man ein Hilfspaket nach dem anderen verkündet und die Krise sozusagen anhand von Zahlen und Daten brav verwaltet. Das hat die Politik von Brüssel bis Wien bis heute nicht verstanden.

Die Menschen wollen, wenn schon nicht Sicherheit, so Planbarkeit. Und sie wollen lieber die Wahrheit hören als von Plänen in irgendwelchen Schubladen. Was also, wenn es einen Impfstoff oder wirksame Medikamente nicht in ein paar Monaten, sondern erst in ein paar Jahren gibt? „Das Wichtigste in einer Krise ist, ihr mit Mut und Zuversicht zu begegnen. Und vor allem: ein Ziel zu definieren. Dann kann man die Menschen mit Optimismus auf das Kommende vorbereiten“, so (frei zitiert) der Weltkriegspremier Winston Churchill in seinem Werk über den Krieg.

Klingt selbstverständlich. Das ist aber vielleicht das Hauptproblem in der aktuellen Krise: Optimismus in schweren Krisen können nur Politiker mit Charisma erzeugen. Churchill und Erhard waren das.

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