Wo sind die Sozialpartner?
Bilanz müssen andere ziehen. Ich habe 7,5 Jahre mit großartigen Mitarbeitern und engagierten Funktionären sowohl im Inland als auch im Ausland viele erfolgreiche Projekte umgesetzt“, sagte Harald Mahrer am 13. November 2025 in seinem letzten Interview als WKO-Präsident dem KURIER. Nun haben andere nach 7,5 Monaten Bilanz gezogen. Der Rechnungshof (RH) legt auf rund 200 Seiten das dar, was seit Jahrzehnten Unmut schürt und für Kritik sorgt. Ganz unabhängig von der Persönlichkeit Mahrers, der ob seines teils extravaganten (Lebens-)Stils und kumulierter Ämter (WKO-Präsident, Wirtschaftsbundchef, OeNB-Präsident) „Projektionsfläche für vieles“ ist, wie er damals selbst sagt. Heute spricht kaum einer mehr von ihm, sondern nur mehr davon, was er hinterlassen hat.
Das negative Image der WKO wettzumachen versucht Martha Schultz. Anders als ihr Vorgänger kommuniziert sie kaum direkt, sondern versucht Fakten (und andere für sich) sprechen zu lassen. Die RH-Berichte legen im Detail allerdings dar, was Kenner wie Kritiker schon lange vor der Ära Mahrer beanstandeten. Sein Rücktritt scheint im Rückblick das einzig mögliche Momentum für Reformen in der knapp 200-jährigen Geschichte der Interessensvertretung gewesen zu sein, denn: Alle heute agierenden Funktionäre – Schultz eingeschlossen, die ab 2010 u. a. WKO- und Wirtschaftsbund-Vizepräsidentin war – haben die Entscheidungen mitgetragen respektive von diesen gewusst und nicht zuletzt profitiert: von der 4,2-prozentigen Gehaltserhöhung für Mitarbeiter, die Mahrer das Amt kostete, über hoch dotierte Posten und lukrative Mehrfachfunktionen bis hin zu zwei Milliarden Rücklagen, die nun der RH seitenweise anführt.
Dass ein WKO-Generalsekretär zu Mahrers Zeiten drei Stellvertreter hatte und nun „nur mehr“ einen – das ist das eine. Dass die Position des Generalsekretärs mit durchschnittlich 21.500 Euro brutto monatlich remuneriert wird und damit besser bezahlt ist als die des Nationalratspräsidenten (20.025 Euro) oder Vizekanzlers (20.979 Euro), das andere, das negativ auf das Image-Konto einzahlt. Allein dies transparent zu machen, da wie dort zu reduzieren oder wie jüngst die Bildungsplattform „wise up“ zu liquidieren, kann nur ein Anfang sein.
Gemessen werden wird und soll die Kammer an ihren Leistungen von ihren Mitgliedern. Ob die beispielsweise eine Fachvertretung Seilbahnen in Eisenstadt für unabdingbar halten, darf bezweifelt werden. Zweifel gibt es bereits am Zusammenhalt in der Sozialpartnerschaft. Um die ist es seit Monaten verdächtig ruhig geworden: Schultz, AK-Präsidentin Renate Anderl, ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian und Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger sind noch nicht gemeinsam in Erscheinung getreten. Das trüge allerdings zum besseren Image aller bei.
Kommentare