Leitartikel
11/10/2021

Und jetzt die allgemeine Impfpflicht!

Zuletzt haben sich Impfgegner radikalisiert. Irgendwann werden das auch Befürworter tun. Da hilft nur eines.

von Gert Korentschnig

Sorry, aber es ist nur noch ärgerlich.

11.398 Neuinfektionen mit dem Coronavirus wurden von Dienstag auf Mittwoch gemeldet – das ist der höchste Wert seit Beginn der Pandemie.

Mehr als 85.000 aktive Fälle gibt es somit in Österreich – ebenfalls ein negativer Rekordwert.

Die meisten Ansteckungen verzeichnete neuerlich Oberösterreich – jenes Bundesland, das die geringste Impfquote hat.

Und wäre Oberösterreich ein eigener Staat (was es im Kopf mancher Menschen wohl auch ist), würde er mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 1.173,5 sogar Slowenien, den momentanen Spitzenreiter bei Neuinfektionen, überholen.

Weltmarktführer in Sachen Corona – na geh. „Dahoam is dahoam“, heißt es in der Landeshymne. Und: „Wannst net fort muaßt, so bleib“. Der Lockdown ist quasi gesetzlich verankert.

Nun drängt sich eine Analyse der oberösterreichischen Seele geradezu auf. Von der Sturheit nicht weniger Bewohner bis zur Selbstsicherheit, alles richtig zu machen. Von der Abgrenzung gegenüber allem Neuen bis zur „Mir san mir“-Mentalität. Aber all das existiert auch anderswo im österreichischen Psycho-Biotop. Was jedoch in Oberösterreich erschwerend dazukommt, ist das Pech, dass die Landtagswahl zur Corona-Zeit angesetzt war (was übrigens die gesamte Republik blockierte); sowie die besondere Stärke der FPÖ mit ihren Impftrollen, die auch den Boden für die neue Liste MFG bereitete. Dass nun eine oberösterreichische Sechs-Prozent-Truppe den Populisten in anderen Parteien als Argument dient, sich mit den Impfgegnern nicht zu sehr anzulegen, ist absurd.

Jenseits lokaler Phänomene zeigen die aktuellen Zahlen aber auch, dass bereits der zweite Sommer verschlafen wurde. Dass die Regierung Kurz/Kogler vieles falsch gemacht hat. Dass es die so sehr gescholtene Bundeshauptstadt Wien zuletzt am besten gemacht hat. Und dass diese seltsame Allianz aus Esoterikern vom linken und Weltverschwörungstheoretikern vom rechten Rand eine kranke ist (zur Klarstellung: Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, sind explizit ausgenommen).

Warum die Impfung in diesem Zusammenhang so wichtig ist: Weil sie nachweislich das Einzige ist, was diese Gesundheitskrise beruhigen kann. Völlig unverständlich, woher in einem westlichen, in vielen Punkten aufgeschlossenen Land diese Wissenschaftsskepsis kommt.

Mittlerweile ist die Aggression zwischen Impfbefürwortern und -gegnern so groß, dass der Konflikt von der Bevölkerung kaum noch gelöst werden kann. Helfen würde da nur ein staatliches Machtwort: eine allgemeine Impfpflicht. Aber das traut sich die Politik nie. So werden wir wohl weiter herumgrundeln im Corona-Sumpf. Eine Zumutung.

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