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26.07.2017

Eine deutsche Staatsaffäre

Eine Stunde null, auch für die deutsche Politik: Sie hat diese Industrie jahrzehntelang protegiert

Hermann Sileitsch-Parzer | über das Autokartell

Sollten sich die Vorwürfe gegen die deutschen Autobauer bewahrheiten, wäre das der größte je aufgedeckte Kartellfall. Die Marktmacht der betroffenen Konzerne ist gewaltig: In Österreich allein machen ihre Marken 2,4 Mio. Pkw aus, die Hälfte des Bestandes.

Geschädigte gibt es bei solchen Mauscheleien überall: Kunden, die überhöhte Preise gezahlt haben. Rivalen, die unfairem Wettbewerb ausgesetzt waren. Zulieferer – viele heimische Mittelständler –, die ausgepresst wurden. Aktionäre, die getäuscht wurden und hohe Milliardenstrafen mitzutragen haben. Und natürlich die Umwelt und letztlich jeder Fußgänger, der mehr giftige Stickoxide einatmen musste als nötig.

Die Autobauer müssen das jetzt als Stunde null begreifen, aber auch die deutsche Politik: Sie hat diese Industrie jahrzehntelang hofiert und protegiert.