Kommentar
11/22/2016

Der amerikanische Brexit

von Hermann Sileitsch-Parzer

Das ist ein Schuss ins Knie: Gleich am ersten Tag seiner Amtszeit will US-Präsident Donald Trump das Handelsabkommen TPP kündigen. Was ist TPP? Der Buchstabensalat führt häufig zu Verwechslungen: Es handelt sich nicht um den Atlantik-Pakt EU/USA (TTIP), sondern um einen Pazifik-Pakt der USA.

Sieben Jahre lang haben die Amerikaner mit elf Pazifik-Anrainern verhandelt – von Japan bis Australien, von Vietnam bis Neuseeland. Wichtig: Wer nicht dabei ist, ist China. Für Präsident Barack Obama war TPP ein Herzensanliegen. Er wollte den Chinesen, die sich militärisch und ökonomisch im Pazifikraum als Großmacht aufspielen, einen Schuss vor den Bug verpassen. Einen größeren Gefallen kann Trump den Chinesen also gar nicht machen, als TPP aufzukündigen.

Das sei ein schwerer geopolitischer Fehler, die "US-Version eines Brexit aus dem Pazifikraum", kommentierte der (den Demokraten nahestehende) frühere Vier-Sterne-Admiral James Stavridis. Die USA gäben politisch wie ökonomisch den Führungsanspruch auf. Und das in der Region, wo das große Wachstum stattfindet. Bisher hinkte die EU beim Handel einen Schritt nach, jetzt könnte sie die USA überrunden. Wenn sie die Chance richtig erkennt.

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