über die Linke
12/06/2014

Ein Experiment

von Reinhard Frauscher

Laut Umfragen sehen nur 22 Prozent der Ostdeutschen die "Linke" als Tochter der Diktaturpartei.

Reinhard Frauscher | über die Linke

Nach 24 Jahren ist ein demokratischer Machtwechsel normal. Dass nun aber gleich die Erben jener Partei das Land regieren, die es davor brutal unterdrückt und ruiniert hatte, ist schwer zu verstehen. Erklärungsversuche: Laut Umfragen sehen nur 22 Prozent der Ostdeutschen die "Linke" als Tochter der Diktaturpartei. Erstaunlich, wo doch von der Linken-Fraktion in Erfurt zwei Drittel zu den DDR-Kadern gehört hatten. Systematische Verschleierung dürfte daran viel Anteil haben so wie die Nostalgie älterer Wähler, mit ihrer DDR-Biografie endlich abzuschließen.

Und nur die Hälfte der Bürger im Osten Deutschlands wählt. Das erst gibt der Linken die Chance auf hauchdünne Koalitionsmehrheiten. Programmatisch mutierten die Kommunisten zu den Versprechern des wohligsten Sozialstaates von allen, vor staatlicher Bevormundung schützt nun die Verfassung. Thüringen ist ein Experiment mit Signalwirkung: Diese Wiedervereinigung der deutschen Linken erhöht ihre Regierungs-Perspektiven auch woanders im Osten, wenngleich wohl nicht so rasch in Berlin. Die klarste Entschuldigung bisher bei den Opfern des DDR-Regimes in Ramelows Antrittsrede war auch dafür eine wichtige Brücke. Und eine weitere Normalisierung in der schwierigen deutschen Geschichte.

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