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08.01.2018

Nur eine junge Dame übertrifft Hirscher

In Adelboden sind es Schweizer schon gewohnt, Österreicher zu bewundern.

Wolfgang Winheim | über das Phänomen Marcel Hirscher

Heute wird Franco Foda, der seit Jahresbeginn nur noch für den ÖFB arbeitet, seine Pläne als Fußball-Teamchef bekannt geben. Der Deutsche tritt in große Fußstapfen, die sein Schweizer Vorgänger Marcel Koller, nicht immer was die Erfolge, aber zweifellos was seine Sympathiewerte anlangt, hinterlassen hat.

Zeitgleich wie Foda gewährt Rapid den Medien Audienz. Und wie Koller beim ÖFB fällt inzwischen bei Rapid dessen Schweizer Landsmann Fredy Bickel durch seine unaufgeregte Art als Sportdirektor angenehm auf. Gleiches lässt sich umgekehrt vom Österreicher Adi Hütter behaupten, der sich als Trainer des Tabellenführers in Bern einen sehr guten Namen gemacht hat.

51 Kilometer weiter und 800 Meter höher sind es Schweizer schon gewohnt, Österreicher zu bewundern. In Adelboden. Dorthin strömen Zigtausende auch dann, wenn Muren die kurvenreiche Straße blockieren. Und wenn Schweizer Torläufer nicht die Topfavoriten sind.

Von Neidgenossen keine Spur. Je drei Mal wurden von den Eidgenossen Benjamin Raich und Hermann Maier frenetisch als Sieger gefeiert. So wie inzwischen Marcel Hirscher, der sich innerhalb von 24 Stunden in der ewigen Adelbodner Siegerliste gar auf Platz eins vorgeschoben hat. Nur im Preisgeld-Ranking der FIS wird Hirscher (288.406 Euro) von Mikaela Shiffrin (432.883) übertroffen.

Um die Jahrtausendwende, als Veranstalterprämien noch nicht automatisch überwiesen worden waren, hatte ein etwas chaotischer Maier im Zielraum einen Scheck von einem Rennen davor ausgestreut. Aber das vom Schmelzwasser aufgeweichte Papierl dank eines ehrlichen Schweizer Finders rasch wiederbekommen. Und wo? In Adelboden, wo außer den unverschämt hohen Fränkli-Preisen nix unsympathisch ist.