über zwei RB-Filialen
11/27/2016

Undenkbares wird Wirklichkeit

von Wolfgang Winheim

Warum Red Bull gegen Red Bull nicht mehr auszuschließen ist.

Wolfgang Winheim | über zwei RB-Filialen

"Ich bin überzeugt, wir können es packen", versicherte Fußball-Präsident Leo Windtner, auf die WM-Qualifikation anspielend, 300 Zuhörern. Einer von ihnen war Marcel Koller. Zeigen seine Nationalspieler auf dem Feld so viel Ausdauer wie der ÖFB-Boss bei seiner 40-Minuten-Ansprache, könnte sich Windtners optimistische Prognose bewahrheiten. Mehr Applaus bei der ÖFB-Jahresabschlussfeier im Vienna Hilton aber bekamen andere:

der 35-jährige ehemalige burgenländische Regionalligafußballer Jürgen Holzinger, der 2014 nach einer OP ohne Beine aufwachte und jetzt mit bewundernswertem Willen um die Rückkehr in ein schmerzfreies Leben ohne psychisches Leid kämpft;

der auf Krücken erschienene Teamtormann Robert Almer, dessen Schicksal im Vergleich zu jenem seines Tischnachbarn Holzinger harmlos ist (Almer-Comeback nicht vor Sommer 2017);

Ex-Kanzler Franz Vranitzky, der nach 25 Jahren altersbedingt als Präsident des Klubs der Freunde der Nationalmannschaft zurücktritt, obwohl man ihm seinen baldigen 80er nicht ansieht;

und (in Abwesenheit) Ralph Hasenhüttl, als das Resultat vom deutschen Freitagabendspiel FreiburgRB Leipzig bekannt wurde.

4:1 für RB. Siebenter Erfolg in Serie. Damit brachen die von Hasenhüttl trainierten Leipziger den 51 Jahre alten Rekord des FC Bayern als der am besten gestartete Aufsteiger. "Wir haben neben Dortmund einen zweiten Feind, den wir jetzt endlich wieder attackieren können", rief Uli Hoeneß kurz später in München einer 7000-köpfigen Menge zu. Die hatte ihn mit einem nordkoreanischen Ergebnis (= 98 Prozent der Stimmen) zum FC-Bayern-Präsidenten gewählt hatte.

Die Leipziger, schmetterte Hoeneß ins Mikrofon, hätten eine "sehr hungrige Mannschaft mit einem hervorragenden Trainer".

Besagter Trainer hatte vor eineinhalb Jahren, als Hoeneß noch im Häf’n saß, im KURIER-Interview gesagt: "Uli hat mir ermöglicht, dass ich als Österreicher den Trainerkurs an der Sporthochschule Köln absolvieren durfte."

Hasenhüttl war damals Teamsenior in der Regionalliga beim FC Bayern II und Mitspieler des Talentes Philipp Lahm gewesen. Wie haben sich die Zeiten geändert?

Lahm ist Weltmeister und Bayern-Kapitän, Hasenhüttl am 21. Dezember mit Leipzig in München zu Gast. Und dem Steuerbetrüger Hoeneß rollt die Gesellschaft, die sich von ihm schon distanziert hatte, den roten Teppich aus.

Nur Red Bull ist als Synonym für Kommerz im Fußball noch immer das Feindbild von Traditionalisten. Obwohl deutsche Altstars wie Günter Netzer und Stefan Effenberg inzwischen Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz und dessen nachhaltiges Engagement (mit großzügigen Nachwuchsschulen) zu würdigen beginnen.

Wirklich pikant wird’s, sollten RB Salzburg und RB Leipzig in der nächstjährigen Europa League oder gar in der Champions League aufeinandertreffen.

Bleibt die Frage, ob das die UEFA zulässt. Die sportliche Qualifikation für einen internationalen Bewerb werden, wie es ÖFB-Boss Windtner auszudrücken pflegt, beide packen. Red Bull Salzburg genauso wie Red Bull, pardon ... Rasenball Leipzig.

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