Links oder rechts?

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Foto: Jeff Mangione

An der Kreuzung. Wenn eine Autofahrt zur ehelichen Richtungsentscheidung wird


Sie

Und irgendwann wird klar, dass der Satz Ich kenne den Weg, keine Sorge eine weitere Blabla-Formel aus der Blabla-Formel-Sammlung des Mannes nebenan ist. Erst unlängst wieder, auf der Fahrt zu einem See, geriet sein Wohoo!-Orientierungssinn ins Trudeln, daher musste er etwas tun, das unter seiner Würde ist, nämlich mich fragen: Kannst schnell am Handy schauen, wie man da hinkommt?

Alles im Griff – oder?

Am Tonfall – zwischen beiläufig und lässig – war erkennbar, dass er lieber bei seiner Alles im Griff-Attitüde geblieben wäre. Was tat ich? Ich warf die Navi-App an, die quäkte: "Biegen Sie rechts ab." Was tat er? Links abbiegen. Als ich sagte, dass das falsch sei, erwiderte er: Blödsinn, mein Gefühl sagt links. Nun begann das Navi durchzudrehen, und sein "Gefühltes" neu zu rechnen, es schnarrte: "Wenden Sie bitte!" Ich sprach: "Ich glaub, dein Gefühl ist falsch." Er: Trottel-Navi. Es folgte ein Vortrag über den Fluch der Technik und Menschenverstand, seine Conclusio: Manchmal ist es besser, seiner Intuition zu folgen. Dann schob er eine Asia-Weisheit nach: Nicht der Wind, sondern das Segel bestimmt die Richtung. Ich erinnerte ihn daran, dass er es wollte, nicht das Segel, sondern das Handy zu konsultieren. Wir fuhren dann so lange im Kreis, bis ich die Angebote des immer wieder vorüberziehenden "Erotikpalasts" auswendig kannte. Irgendwann kamen wir an. Seine offizielle Entschuldigung umfasste eine 1000-Wort-Ode an seinen Bauch- Kompass, dessen Magnetnadel nur durch zweierlei irritiert wird: die Beifahrerin und Google Maps. Der Erotikpalast blieb natürlich unerwähnt.

Auftritte:  5. 10. Bruno/Brunn, 14. 10. Danubium Tulln, 24. 10. Rabenhoftheater, Wien

Lesekabarett  wieder im Herbst, alle Termine: www.paaradox.at

gabriele.kuhnfacebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Mitunter beneide ich meine Frau um ihr Dasein (an meiner Seite). Z. B. in Anbetracht der Sorglosigkeit als Beifahrerin, oder besser: Beisitzerin. Gnä Kuhn hat nämlich einst beschlossen, dass gemeinsame Autoreisen für sie als Lenkerin nix wären (eine Aufzählung der Argumente lasse ich aus), weshalb mein prozentueller Anteil an der Verantwortung bei 100 liegt. Daher finde ich es auch so lustig, wenn sie vorwurfsvoll sagt: "Schatzi, du hast ein Strafmandat bekommen,warum passiert das eigentlich immer dir?" Aber das nur als Randbemerkung.

Passivhören

Ihr Beisitzer-Leben sieht auf stundenlangen Fahrten so aus: Am Smartphone allerlei lesen, ein bisserl schlafen, über das erwartete Wetter am Zielort reden, ein bisserl schlafen, das Musikprogramm aussuchen (man darf spekulieren, welcher unserer beiden Geschmäcker bevorzugt behandelt wird), ein bisserl schlafen. Und, nicht zu vergessen: Jene Telefongespräche absolvieren, für die zuletzt die Zeit gefehlt hat – trotz mehrfacher Beteuerungen meinerseits, wie rasend mich fragmentarisches Passivhören macht: "...wirklich? ... nein! ... hm ... echt? ... hm ... hm ... aber du musst ... ja ... ja ... verstehe ... ja ... hm ... na geh’! ... hm ... uiuiui ... verrückt! ..." Und wehe, ich störe sie mit einer Frage infolge spontanen Aufkommens von Unsicherheit bezüglich des Weges. Dann tippt sie und drückt sie und wischt sie hektisch herum, weil es eine rasche Entscheidung braucht. Die dann erst wieder mein Bauch treffen muss. Und nur so viel: Das Navi irrte, ich hatte recht. Atmosphärische Ergänzung: Es war sehr, sehr laut im Auto. Allerdings nicht aus erotischen Gründen.

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“ wieder im Herbst: u. a. 23. 10. Rothneusiedl, 4. 11. Kottingbrunn, 8. 11. Mödling  

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(Kurier) Erstellt am
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