Romantisch. Oder?

© Boroviczeny

über die Szenen einer Redaktionsehe.
09/01/2013

Ein letzter Tanz noch

Von der Einladung zum Tanzkurs zur Solidaritätsbekundung unter Männern.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Die Mehrzahl der Damen ist auf meiner Seite. Die Mehrzahl der Herren ist auf seiner Seite.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Obwohl ich mich am vergangenen Sonntag öffentlich als taktlos und somit tänzerische Nullnummer geoutet habe, steht hier nun ein Obstkörbchen Fanpost. Es kommt eben nicht auf das Wie, sondern vielmehr auf das Trotzdem an. Ich tanze nicht gut, trotzdem tanze ich. Das gefällt. Deshalb wurde ich gefragt, ob ich nicht Ehrenmitglied eines kleinen Tanzsportvereins werden möchte, man mich zu einer kleinen Einführung in das Genre Wiener Walzer einladen dürfe und ob ich es mit Bauchtanz probieren würde. Nun, die Tatsache, eine Bauchbesitzerin zu sein, berechtigt noch lange nicht zum Tanze. Meine ich. Meint auch der Mann nebenan, der eher die Eiger-Nordwand in Flipflops besteigen würde als das.

Zwangshandlung

Nach Durchsicht der Leserbriefe wurde mir klar: Die Mehrzahl der Damen ist auf meiner Seite. Die Mehrzahl der Herren ist auf seiner Seite. Was mich wiederum wundern lässt, wieso es trotzdem so viele Bälle gibt, auf denen Mann und Frau miteinander tanzen. Ich habe eine Vermutung: Ein Tänzchen ist für viele Männer nichts anderes als eine Zwangshandlung in den ersten Monaten des Jahres (da finden die Bälle statt),um es dann eher kommod zu haben. Alles Taktik, alles gelogen. Womit ich wieder beim Mann nebenan gelandet wäre. Ich kann mich gut erinnern, dass er einmal höchst interessiert war, mich aufs Parkett zu zerren. Drei Stunden lang haben wir durchgetanzt. Das war vor 15 Jahren – und er tat es, weil... Tja. Nur so viel: Es gab kein Dacapo (tänzerisches, meine ich). Meine Lehre daraus: Ich hätte ihn zappeln lassen sollen – fünf „I will survive“ und einen Kurs „Foxtrott für Dummies“ lang.

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Twitter: @GabrieleKuhn

Er

Es gibt sie auch für einen Kolumnisten, die Augenblicke der Rührung. Nämlich dann, wenn es ganz plötzlich aus allen Teilen des Landes bewegenden Zuspruch gibt. Wenn sich erwachsene Männer via Facebook, Twitter und Mail die Erleichterung von der Seele schreiben, nicht allein zu sein. Wenn sich die Tanzmuffel in einem kurzen Text wiederfinden und mir dafür danken.

Professor Felix D. etwa schrieb: „Ich muss Ihnen mitteilen, dass es mir mein 52-jähriges Eheleben lang wie Ihnen mit Ihrer entzückenden Frau genauso mit meiner Gesponsin gegangen ist.“ Oder Hans S., der nur lapidar bemerkte: „Gut gebrummt, Tanzbär.“ Aber auch Erich D. meldete sich, um mir seine Entwicklung zu erzählen – vom Tanzverweigerer zum leidenschaftlichen Schwebekünstler. Und das nur, weil er seiner Frau einen gemeinsamen Kurs geschenkt hatte.

Er riet mir im Übrigen auch, es ihm vielleicht doch einmal nachzumachen. Nicht ahnend, dass ich eher alle Socken meiner Familie (und jene aller Nachbarn) bügeln würde, als mir nur eine einzige Minute von „Dancing Stars“ anzusehen.

Seit-Schluss

Leserin Juliane F. fragte mich im Zuge ihrer vielen fast missionarischen Zeilen, ob ich denn niemals voller Freude eine Tanzschule besucht hätte. Und ich antwortete ihr: Oh doch. Aber nur, um von daheim weg sein zu können. Doch nach drei Besuchen, 46 „Vor-, Rück-, Links-Seit-Schluss“ und 73 „Promenieren, mitpromenieren die einzelnen Damen“ hielt ich es für besser, meine Kräfte im Billard- und Dartssport zu bündeln. Von meinen Eltern verabschiedete ich mich freilich Woche für Woche mit den Worten: „Leute, ich bin dahin, Cha-Cha-Cha und Paso Doble rufen ihren Meister.“

Mit der Dame zu meiner Linken habe ich dann aber Jahre später doch einmal getanzt. Denn: Als Balzritual war mir im Leben leider selten etwas peinlich.

Twitter: @MHufnagl

Am KURIER-Tag, Freitag, 6. September, von 17.30 bis 18.30 lesen Kuhn & Hufnagl aus ihren „Paaradox-Kolumnen“. Weiters im Hof der Linden­gasse 52 zu sehen: Dieter Chmelar, Doris Knecht, Guido Tartarotti.

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