Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
25.07.2017

Schauen oder nicht schauen?

Gibt es überhaupt ein nichtsexistisches Desinteresse an Frauenfußball?

Guido Tartarotti | über das Schauen von Frauenfußball.

Jetzt wissen wir endlich, warum die Natur die Menschheit und diese wieder Twitter erfunden hat: Damit mit einer fast berührend lächerlichen Ernsthaftigkeit darüber diskutiert werden kann, ob es politisch korrekt ist, sich nicht für Frauenfußball zu interessieren.

Man könnte ja annehmen, dass das eine ganz einfache Sache sei: Entweder schaut man bei der Frauenfußball-EM zu oder auch nicht, und fertig. Das ist es aber nicht – es ist ein hoch komplizierter politischer Vorgang. Denn es geht um die Motive dahinter. Schaut man aus „reinem“ Desinteresse nicht zu – oder weil man ein übler Sexist ist? Gibt es überhaupt ein nichtsexistisches Desinteresse an Frauenfußball?

Umgekehrt: Schaut man Frauenfußball, weil man ihn wirklich toll findet, oder heuchelt man das nur, um sich modern und progressiv zu geben? Und: Darf man seine Begeisterung für Frauenfußball mit den geringen Erfolgen der Herren begründen, oder ist das auch schon wieder unkorrekt?

Alles Probleme, die man beim Schauen von, sagen wir, „Money Maker“ eher nicht hat.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 11. September im Kabarett Niedermair zu sehen, am 27. September im Theater am Alsergrund, am 29. September in der Bühne im Hof in St. Pölten und am 5. Oktober in der Stadtgalerie Mödling.