Panik oder Gelassenheit?

Genießen Sie Ihr Essen, genießen Sie Ihren Hurrikan.

Guido Tartarotti | über Schnee, Wien und New York.

Als nebenberuflicher Wiener ist man ja einiges gewöhnt. Wird etwa die Stadt mitten im Winter von Schneefall überrascht – ab einer geschlossenen Schneedecke von 0,5 Zentimetern spricht man in den Medien von „Schneemassen“ – geht die Stadt geordnet in den Zustand der Panik über: Der Verkehr kommt zum Erliegen, die Infrastruktur bricht zusammen, es kommt zu Hamsterkäufen, und zwar nicht nur in Tierhandlungen.

Umso verblüffter ist man, wenn man erlebt, wie New York mit Naturkatastrophen umgeht. Ende 2012 etwa, Hurrikan Sandy. Die halbe Stadt war ohne Strom, die U-Bahn überflutet, Geschäfte hatten geschlossen. Aber die New Yorker behielten Ruhe und Humor. Man sah Menschen in Taucheranzügen tanzen, Kellner wünschten den Gästen „Genießen Sie Ihr Essen, genießen Sie Ihren Hurrikan“, Studenten kauften Bier und Kondome ein – für „Blackout-Partys“, falls das Licht ausfällt.

Dieser Tage könnte es in Wien ein bisschen schneien – und New York droht der schlimmste Schneesturm der Geschichte. Wo wird man wohl gelassener bleiben?

Erstellt am 28.01.2015