Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
13.10.2017

Ohrwaschl: Zur Suppe!

Die Suppe alleine ausbaden.

Guido Tartarotti | über die Wahl.

Es ist schon eine Zeit lang her, da fiel in den Radionachrichten der schöne Satz: „Nach der Wahl muss der Wähler die Suppe alleine ausbaden.“ (Auf Wienerisch möchte man hinzufügen: Das muss man wollen ...)

Das haben Politik und Restaurants ja gemeinsam: Man hat dort Gelegenheit zu wählen (im Unterschied zum Telefonieren, da wird nicht mehr gewählt, sondern gewischt). Doch während in der Politik der Ton rauer wird, drückt man sich in Restaurants immer ... gewählter aus. Früher fragte der Ober, wenn er gut aufgelegt war, „Schmeckt’s eh?“ oder „Passt ois?“. Heute hört man in besonders feinen Häusern manchmal sogar: „Kommen Sie zurecht mit dem Wein?“ (Danke, bis jetzt haben wir ihn ganz gut im Griff, aber falls er frech wird, rufen wir Sie um Hilfe ...)

In der Politik wird uns hingegen, nachdem wir gewählt haben, niemand fragen, ob es passt und ob wir zurechtkommen. Dennoch sollten wir aufs Wählen nicht verzichten. Demokratie bedeutet auch: Geschmack und Temperatur der Suppe mitzubestimmen, die man dann ausbadet.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 24. Oktober und am 2. Dezember im Theater am Alsergrund, am 20. November in der Kulisse Wien und am 9. Jänner 2018 im Orpheum Wien zu sehen.