über Kontrollzwang
01/06/2015

Verwundbar

von Birgit Braunrath

Misstrauen immer mehr Menschen dem Leben?

Birgit Braunrath | über Kontrollzwang

Junge Eltern beim Kinderarzt. Verunsichert. Sie erzählen, dass alle Babys im Bekanntenkreis Überwachungsmatratzen und Ähnliches im Bett hätten, nur ihres nicht. Was der Arzt empfehle? Der Mann, selbst dreifacher Vater, schaut die beiden lange an. Er fragt: "Haben Sie Vertrauen in das Leben Ihres Kindes?" Beide nicken, ohne zu überlegen. – Ihr Kind bleibt eines von denen, die noch Kuscheltuch statt Kontroll-Computer unterm Kopfpolster haben dürfen.

Misstrauen immer mehr Menschen dem Leben? Ist Kontrollzwang ansteckend? Hält Überwachung Ängste in Schach?

Einst galt das "Babyphon", das Geräusche nach nebenan übertrug, als revolutionärer Lauschangriff. Heute ist es reif fürs Museum, weil man sein schlafendes Baby in Bild und Ton per Smartphone dauerüberwacht. Und es geht weiter: Mit Sensorpflastern, die die Körperfunktionen des Kindes melden; Mini-Computern, die ausrechnen, wann der ideale Aufweckzeitpunkt ist; Fläschchen, die Alarm auslösen, wenn Baby zu schnell trinkt. Das Geschäft läuft garantiert. Denn niemand ist so verwundbar wie junge Eltern.

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