Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
09.03.2018

Empörungsberater

Bald wird es das Berufsbild "Empörungsberater" geben.

Guido Tartarotti | über Werbung mittels Aufregung.

Ein klassisches Beispiel, wie man den Empörungsdurchlauferhitzer der sozialen Medien bedient und ihn für größte Aufmerksamkeit nützt: Die viel diskutierten Putzmittel-Sonderangebote am Weltfrauentag, die (zu Recht) als Themenverfehlung kritisiert wurden.

Zuerst sprang wie immer die Empörungsmaschine auf Twitter an. Dort tummeln sich vor allem Journalisten, Politiker, PR-Leute und andere aus dem Berufsfeld Kommunikation, Kreativität & „Irgendwas mit Medien“. Gerne tarnt man Aufregung dort intellektuell, turnt durch die Meta-Ebenen und diskutiert darüber, wie sinnvoll Empörung über die Empörung ist und ob es empörend sei, wenn sich jemand NICHT über etwas Empörendes empört. Auf Facebook dauerte es wie immer ein bisschen länger, bis der Motor ansprang – aber die Empörung ist dafür pur, unverdünnt und krass emotional.

Am Ende waren alle erschöpft vor lauter Empörung – und ganz Österreich wusste, wo es Sonderangebote gibt. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis PR-Fachschulen den Lehrgang „Empörungsberater“ anbieten.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 17. März in der Tischlerei Melk und am 20. März im CasaNova Wien zu sehen.