Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
18.05.2017

Nein, leider, alles echt

Nein, leider, alles echt.

Guido Tartarotti | über Satire und Realität.

Satire ist falsch“, sagte einmal ein erfolgreicher Medienmanager, der sich über den Inhalt eines humoristischen Textes ärgerte. Das stimmt, und gleichzeitig auch wieder nicht. Satire verwendet Falsches, um damit Wahres zu sagen. So wie ein Karikaturist lange Nasen noch länger zeichnet, um ein Gesicht auf den ersten Blick erkennbar zu machen, verwendet ein Satiriker Stilmittel der Übertreibung und Verfremdung, um Dinge noch schärfer sichtbar zu machen. Entstellt zur Kenntlichkeit, heißt es dann.

Wenn Satire für echt gehalten wird, ist das für den Satiriker ärgerlich und gleichzeitig ein großes Kompliment. Die renommierte englische Zeitung Guardian fiel auf eine Spaß-Meldung des Satire-Portals Die Tagespresse über Sebastian Kurz herein (und bemerkte dabei nicht einmal, dass hier das Wort „Außenminister“ mit „outside minister“ statt „foreign minister“ übersetzt wurde).

In unserer Zeit wird übrigens der umgekehrte Fall immer häufiger: Dass man die Realität für Satire hält und irgendwann feststellen muss: Nein, leider, alles echt.

Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" läuft am 23. Mai im Theater am Alsergrund, am 31. Mai in der Kulisse Wien und am 8. Juni im Casino Baden.