Ein paar Zeilen Normalität

Traditionsbewusste stellen Barbarazweige in die Vase. Alles könnte ganz friedlich sein.

Birgit Braunrath | über einen Sonntag im Advent

Was hat der zweite Adventsonntag heuer an sich, dass er ständig mit Schlagwörtern wie Kampf, Duell, Hieb- und Stichwahl in Zusammenhang gebracht wird?

Alles könnte so friedlich sein. Inhaber von Adventskalendern öffnen neugierig das vierte Kästchen. Traditionsbewusste stellen Barbarazweige in die Vase. In ganz Österreich scheint teilweise die Sonne bei adventlich stimmigen Temperaturen um den Gefrierpunkt. Der Punschkonsum wärmt Hände und Herzen. Alles im Schein der zweiten Kerze.

Irgendwo, weit weg, auf den legendären Färöer-Inseln, spielen Österreichs Handballerinnen um die WM-Quali. Irgendwo, sehr weit weg, auf einem Friedhof in Santiago de Cuba, wird die Urne eines gewissen Fidel Castro beigesetzt. In Italien wird ein Verfassungsreferendum abgehalten und in Freistadt ein Bürgermeister gewählt. In der Staatsoper dirigiert Zubin Mehta die Premiere der neuen „Falstaff“-Inszenierung von David McVicar. Und rund um die Oper erstrahlt Wien im Weichzeichner der Weihnachtsbeleuchtung.

Alles könnte ganz friedlich sein.

( kurier.at ) Erstellt am 01.12.2016