über "Last Christmas" am 1. Oktober
10/04/2014

365 Tage Weihnachten

von Guido Tartarotti

Es wird keinen Normalzustand mehr geben, Langeweile ist dann abgeschafft.

Guido Tartarotti | über "Last Christmas" am 1. Oktober

Die bestellte Aufregung kam prompt: Ö3 spielte am 1. Oktober das zweiterfolgreichste Weihnachtslied aller Zeiten, "Last Christmas". ("Bestellt" deshalb, weil Ö3 diesmal die Proteste mit Sicherheit einkalkuliert hat – das Ganze war eine sehr clevere Aktion, um ins Gespräch zu kommen.) "Last Christmas" am 1. Oktober, das ist ungefähr so passend wie "Atemlos durch die Nacht" auf einem Begräbnis, es ist ein Tabubruch, und so was sorgt immer für Aufmerksamkeit. Wobei: Das Tabu ist schon reichlich abgenutzt, bereits im Spätsommer stellten die Supermärkte den Lebkuchen ins Regal und in den Redaktionen trafen ersten Weihnachts-Aussendungen ein.

Das Problem mit "Last Christmas" und Lebkuchen ist ja nicht "Last Christmas" und Lebkuchen, sondern die Ganzjährigkeit. Events werden heute – des Geldverdienens wegen – zu einem Dauerzustand, und irgendwann werden wir 365 Tage lang Weihnachten, Fasching, Muttertag, Halloween und Valentinstag haben. Es wird keinen Normalzustand mehr geben, Langeweile ist dann abgeschafft und verboten – und das wird ziemlich fad sein.

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