Sonnenaufgang in Niedersachsen

© APA/dpa/Moritz Frankenberg / Moritz Frankenberg

Leitartikel
07/06/2021

Im Trippelschritt zum Klimaziel

So mühsam die Einigung auf den Ökostromausbau 2030 auch war – die größeren Brocken der Energiewende liegen erst vor uns.

Klimaministerin Leonore Gewessler hat, sofern das „Erneuerbare Ausbaugesetz“ tatsächlich diese Woche beschlossen wird, ihre erste große Reform auf den Weg gebracht. Zweifellos auch ein persönlicher Erfolg für die langjährige Global 2000-Aktivistin.

Ziel des EAG ist es, bis 2030 (also in knapp achteinhalb Jahren) die Stromwende in Österreich zu schaffen. Etwa ein Viertel unserer Elektrizität stammt eben nicht aus erneuerbaren Quellen wie Wasser, Wind, Fotovoltaik oder Biomasse, sondern aus fossilen Gaskraftwerken, mit Putins Gas befeuert.

Putin kein Geld mehr für sein Gas zu geben, sondern es lieber im Land zur Inlandswertschöpfung zu verwenden, würde ja vielen schon als Grund für die Stromwende ausreichen. Tatsächlich ist das EAG aber eine Klimaschutzmaßnahme. Österreich ist eines der wenigen EU-Länder, die im Vergleich zu 1990 bis heute null Treibhausgase reduziert haben, während die meisten anderen im Schnitt rund um ein Viertel weniger ausgestoßen haben. Wir sind also säumig und müssen viel mehr tun.

Scheitern kann das Stromwende-Projekt jetzt eigentlich nur mehr an einem überbordend bürokratischen Gesetz – und an uns Österreichern. Denn natürlich wird man diese Stromwende sehen: Die Leistung der Windkraftwerke muss in achteinhalb Jahren verdreifacht werden, bei der Fotovoltaik muss die aktuelle Leistung knapp versechsfacht werden. Dazu noch ein paar kleinere Wasserkraftwerksprojekte und, vielleicht am schwierigsten, Hochspannungsleitungen, damit die Energie auch effizient und sicher an alle Haushalte verteilt werden kann.

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Bekanntlich ist die Akzeptanz solcher Projekte enden wollend: Die meisten mögen Windräder, nur nicht in unmittelbarer Umgebung. Alle finden es toll, dass ein PV-Modul 20 bis 30 Jahre lang ununterbrochen Strom liefert – aber auch das lieber woanders, wo es doch so hässlich ist für das Landschaftsbild. Und Wasserkraftwerke sind zweifellos ein Eingriff in fragile Ökosysteme, also auch nicht gut.

Nur: Was ist die Alternative? Dazu muss man sich zwei Fragen stellen: Gibt es den Klimawandel? Und was sollen wir dagegen tun? Die Antwort ist einfach: Raus aus Öl und Gas.

Damit sind wir beim eigentlichen Problem: So mühsam die Gesetzeswerdung des Ökostromausbaus auch war, es wird der vermutlich einfachste Schritt der Klima- und Energiewende gewesen sein. Viel schwieriger wird, die Öl- und Gasheizungen aus Österreichs Haushalten zu entfernen. Und im Übrigen müsste inzwischen klar sein, dass wir nicht klimaneutral werden können, solange wir Verbrennermotoren in unseren Lkw und Pkw zünden. Aus Klimaschutzsicht war das gestern also nur ein erster, kleiner Trippelschritt. Aber wenigstens bewegen wir uns.

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