Meinung
09/09/2016

Herr Hofer, so geht fairer Journalismus

Immer sind die anderen böse, wenn sich die FPÖ über Berichte ärgert. Sie hat viel zur Stimmung beigetragen.

Macht braucht Kontrolle. Wer an die Spitze des Staates will, muss sich kontrollieren lassen.

Dr. Helmut Brandstätter | über Skrupel im Journalismus

Darf man als Journalist Skrupel haben? Ja, man muss sogar, mehr denn je. Nun gibt es ja Stimmen, die im Zeitalter des Internets die Bedeutung der klassischen Medien schwinden sehen. Aber die Informationsflut führt eher dazu, dass Verlässlichkeit gesucht wird. Die wollen und können wir bieten.

Da wir Skrupel haben, wurden nicht unüberprüfte Gerüchte über den Kandidaten Norbert Hofer publiziert, sondern wir haben ganz nach Hugo Portischs Regel gehandelt: Check, Recheck, Doublecheck. Der uns zugespielte Bescheid wurde als echt bestätigt, die Fakten überprüft und Herr Hofer konnte ausführlich Stellung nehmen. Er hat übrigens im Gespräch mit KURIER-Redakteur Christian Böhmer ausdrücklich nicht verlangt, dass wir auf Berichterstattung verzichten.Und zur Sache: Die Wähler haben ein Recht zu erfahren, wenn ein Kandidat für das höchste Amt im Staat vor zwei Jahren überprüfen ließ, ob er überhaupt noch einen Beruf ausüben kann.

Entgegen seiner eigenen Wahrnehmung und der damit verbundenen Propaganda gehört Hofer als 3. Präsident des Nationalrats zu denjenigen Menschen im Land, die als privilegiert gelten, die es "sich richten können". "Hautevolee" würde Hofer selbst sagen. Da gibt es Vorurteile und Neid, Emotionen, die von der FPÖ seit Langem geschürt werden und zu Wahlerfolgen beigetragen haben. Betroffene, die sich nicht wehren konnten, waren oft Opfer von FPÖ-Kampagnen, die auch nicht aufhörten, als ehemalige FPÖ-Größen ihre in der Politik erworbenen Kontakte missbrauchten und vor dem Strafrichter landeten.

Macht braucht Kontrolle. Wer an die Spitze des Staates will, muss sich kontrollieren lassen. Wir tun das – im Unterschied zu anderen – behutsam, mit Skrupel.