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Leitartikel
11/13/2021

Gefährlich, aber nicht aussichtslos

Es ist müßig, die Frage nach der Schuld an den hohen Infektionsraten zu stellen. Einziger „Gamechanger“ bleibt die Impfung.

von Martina Salomon

Mehr als 13.000 Neuinfektionen: Österreich schiebt sich so wie vor einem Jahr an die Spitze der Länder mit der höchsten Ansteckungsrate weltweit. Das ist dramatisch, weil es die Freiheit jedes Einzelnen einschränkt und den Standort schon wieder beschädigt. Und es ist peinlich. Wie kommen wir da wieder raus?

Manchmal hat man ja das Gefühl, dass die Suche nach den Schuldigen weitaus wichtiger genommen wird. Lag es am Zögern der Regierung, die ja am Beginn rasch (für viele zu rasch) handelte, am Populismus der Bundesländer, an Laissez Faire, am Experten-Zickzack-Kurs, am Egoismus eines verwöhnten Volkes, das alles vom Staat verlangt, aber selbst zu keiner Verantwortung bereit ist, an der FPÖ, die das Ungeimpftsein propagiert, oder an den vielen Impfdurchbrüchen?

Alles ist möglich – auch, dass die Pandemie in einer Welle und beinahe unbeeindruckt von Maßnahmen durch die Länder rauscht. Am Balkan wütet sie wie vor einem Jahr am stärksten, und es ist anzunehmen, dass nach Österreich auch in Deutschland die Zahlen hochgehen. Warum in Brasilien Millionen mit einem in der EU nicht zugelassenen Impfstoff schon maskenlos tanzen können, wird wohl an der exorbitant hohen Impfquote, aber auch an einer jungen Bevölkerung liegen. Vielleicht hatte letzten Endes doch Schweden recht, das derzeit eine Sieben-Tages-Inzidenz von 52 hat (versus über 800 bei uns). Das Land zählt bei 10 Millionen Einwohnern 15.000 Todesfälle, wir gehen gerade Richtung 12.000 bei 8,9 Millionen.

Schweden setzte nicht auf drakonisches Zusperren, sondern auf Selbstverantwortung. Die Impfquote ist klar höher als bei uns – und in skandinavischen Ländern zieht im Notfall die ganze Politik an einem Strang. Wenn deutsche Medien beklagen, dass die Pandemie auf ein (durch Koalitionsverhandlungen) gelähmtes Land trifft, so ist das in Österreich ähnlich. Vier Parteien (inkl. Koalitionspartner) sind damit beschäftigt, die Kanzlerpartei zu zerstören, diese wiederum ist mit Selbstverteidigung und Neuaufstellung beschäftigt.

Die Situation ist gefährlich, aber nicht mehr so schlimm wie im Vorjahr. Jetzt haben wir die Impfung. Das Killerargument, dass sie gar nicht wirkt, ist falsch. Keine Impfung schützt zu 100 Prozent. Aber die Virenlast und das Übertragungsrisiko sind geringer, das Risiko schwer zu erkranken, ist viel kleiner. Ein Lockdown für alle wäre daher kontraproduktiv, weil es die Impfbereiten demoralisieren würde. Sie brauchen ja alle – früher als gedacht – die dritte Impfung.

Diese Pandemie wird uns nicht so schnell verlassen. Oder vielleicht doch: Folgt sie der „Logik“ der Spanischen Grippe (was bisher der Fall war), so wütet sie zwei Jahre lang – im Frühjahr müssten wir sie dann los sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Bleiben Sie gesund! Impfen hilft dabei.

Martina Salomon
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