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Meinung
03/31/2021

Die heilsame Waffe des Kalten Kriegers Putin

Russlands Impfstoff Sputnik ist für Putin ein Instrument der Propaganda – und so setzt er es ein. Der Kauf hat also auch Nebenwirkungen.

von Konrad Kramar

Schon der Name „Sputnik V“ sollte bewusst Erinnerungen an den einstigen Vorsprung der Sowjetunion bei der Eroberung des Weltraums wachrufen. Diesen Vorsprung kann Russlands medizinische Forschung heute nicht für sich beanspruchen, aber zumindest gleichauf mit dem Westen will man wieder einmal sein, sich gerade in einer Weltkrise als Weltmacht präsentieren.

Welche Regierung auch immer jetzt vorhat, die blamablen Impflücken in Europa mit dem offensichtlich gut wirksamen russischen Präparat zu schließen, sollte sich dessen bewusst sein. Sputnik ist mehr als ein Medizinprodukt: Es ist auch ein mit massivem politischen Willen vorangetriebenes Mittel der politischen Propaganda. Während in Russland selbst die Impfkampagne nur langsam vorankommt, setzt man alles daran, Sputnik in anderen Ländern anzubringen und es in Zukunft vielleicht sogar dort produzieren zu lassen. Pharmakonzerne berichten von sehr nachdrücklich platzierten Angeboten von russischer Seite. Putin telefoniert mit führenden europäischen Staatschefs, um Werbung für Sputnik zu machen. Sogar auf sozialen Medien ist der Impfstoff ständig präsent – und das auf Englisch. Auch diese Botschaften sind also nicht an die Russen adressiert, sondern an potenzielle Abnehmer im Westen. Und es wirkt, wie jüngste Umfragen auch in Österreich zeigen: Eine Mehrheit ist inzwischen bereit, sich damit auch impfen zu lassen.

Medizinisch wenig einzuwenden

Medizinisch ist gegen Sputnik wenig einzuwenden. Es zeigt schlicht, dass moderne Methoden der Gentechnik längst auch in Russland etabliert sind und von den Fachleuten beherrscht werden.

Doch Putin versteht die Welt grundsätzlich als ein Spiel der Mächte, in dem Russland gegen einen aggressiven Westen in die Defensive geraten ist und sich daher mit allen Mitteln wehren muss.

Spieler in einem Kalten Krieg

Ob er nun Kampfjets nach Syrien schickt, Kämpfer und Waffen in die Ukraine oder Hacker in die Zentralcomputer westlicher Regierungen: Putin sieht sich selber als Spieler in einem Kalten Krieg – und in dem gilt es, Verbündete um sich zu scharen, am besten aus den Reihen des Gegners. Wenig überraschend sind die ersten Kunden für Sputnik einerseits die üblichen Verdächtigen wie der Iran oder Venezuela, andererseits jene europäischen Länder, die zuletzt deutlich in Richtung Moskau tendiert sind, also Ungarn, die Slowakei und natürlich Serbien, das Russland traditionell als seinen großen slawischen Bruder betrachtet.

Politische Nebenwirkungen

Das alles ist kein Grund, Sputnik nicht zu kaufen und zu verimpfen, auch für Österreich nicht. Man sollte sich allerdings, auch der politischen Hintergründe dieses Impfstoffes bewusst sein und damit auch der politischen Nebenwirkungen. Für die gilt dasselbe wie für alle Nebenwirkungen: Man sollte sich rechtzeitig darauf vorbereiten.

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