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Meinung
07/15/2020

Bankskandal: Behalten Sie Ihre Badehose an

Die aktuellen Finanzskandale zeigen, dass Kleinanleger in Geldsachen nur einer Person trauen sollten: sich selbst.

von Wolfgang Unterhuber

"Bei Ebbe sieht man, wer bei Flut ohne Badehose unterwegs war“, sagte der US-Investor und Milliardär Warren Buffett einmal. Jetzt ist wieder gerade einmal Ebbe. Wegen Corona. Und bei Ebbe versinken dann die Geschäftsmodelle, die auf Treibsand gebaut sind. Die Commerzialbank Mattersburg scheint so ein Geschäftsmodell gewesen zu sein. Oder Wirecard. Weitere Skandale werden folgen. Weil diese Ebbe lange dauern wird.

Das Dumme bei Finanzskandalen ist ja immer, dass sie – so wie offensichtlich auch bei Wirecard und der Commerzialbank – erst nach Jahren auffliegen. Dann also, wenn der Schaden schon riesig ist. Und wie in der Vergangenheit wundert man sich, wo da jahrelang – vom Aufsichtsrat angefangen bis zu den staatlichen Prüfern – die ganzen Kontrollorgane waren. Besonders bei den Wirtschaftsprüfern könnte man die ketzerische Frage stellen, ob es nicht besser wäre, wenn sie sich mehr auf ihr Kontrollgeschäft konzentrieren würden als auf Studien, in denen sie gerne die ganze Welt erklären.

Dazu kommt, dass die Finanzbranche einem umfassenden Regelwerk unterliegt. Wer in den vergangenen Jahren auch nur einen Kleinkredit von seiner Hausbank erhalten wollte, weiß vermutlich, von wie vielen Formularen und Sicherheiten hier die Rede ist, zu denen die Banken (zu Recht übrigens) verpflichtet sind. Warum aber kann dann von der kleinen Regionalbank bis zum großen Finanzdienstleister das Management alle an der Nase herumführen?

Weil Finanzskandale sehr häufig einen gemeinsamen Ursprung haben: die diabolische Energie eines Einzelnen. Das war bei der Hypo Kärnten so (Jörg Haider), bei der Bawag (Helmut Elsner), bei Wirecard (Herr Markus Braun und sein Komplize Jan Marsalek) und jetzt bei der Commerzialbank (deren nunmehriger Ex-Chef Martin Pucher). All die Puchers und Brauns eint dasselbe psychologische Muster: Sie sind naturbegabte Schauspieler, die wie der Hochstapler Felix Krull aus dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann wissen, „dass die Menge nach Illusion und Verführung“ dürstet.

So schaffen sie ein Netzwerk aus Komplizen und Gefolgsleuten. Als die britische Financial Times im Vorjahr bei Wirecard von Unregelmäßigkeiten berichtete, war der Zorn der Anleger groß. Gegen die Financial Times und nicht gegen Herrn Braun. Sind die Kunden und Anleger also selbst schuld? Natürlich nicht. Aber die Wahrheit ist, dass man in Geldsachen wohl nur einer Person vertrauen sollte: sich selbst. Und nicht irgendwelchen Trends und Hypes und alerten wortgewandten Typen. Übrigens: Derzeit entsteht gerade ein neuer Hype: Digital, so heißt es, ist cool. Wer nicht digital ist, ist out. Nach der Ebbe wird also die digitale Flut kommen. Als kleiner Sparer sollten Sie dabei Ihre Badehose anbehalten.

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