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Meinung
04/08/2021

Abstimmungspleite für Sigi Wolf: Mitarbeiter sind schlecht beraten

Die Mannschaft von MAN Steyr stimmte gegen Sigi Wolf als neuen Werkseigentümer. Sie wird das Votum wohl bald bereuen.

von Robert Kleedorfer

Das Ergebnis ist eindeutig. Knapp zwei Drittel der Belegschaft des MAN-Werks in Steyr haben gegen die Übernahme des Betriebs durch den heimischen Investor Sigi Wolf gestimmt. Dieser hatte sich vorab eine breite Zustimmung zu seinem Engagement gewünscht. Doch die Beschäftigten sehen in seinen Plänen keine Zukunft. Er wollte mehr als 1.000 von 2.356 Mitarbeitern abbauen und die Nettolöhne um rund 15 Prozent senken, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Das gefällt naturgemäß den Betroffenen nicht. Niemand will für weniger Lohn gleich viel arbeiten. Und die Beschäftigten haben bereits Zugeständnisse gemacht. Doch für einen Unternehmer muss sich ein solcher Deal betriebswirtschaftlich rechnen, er ist kein Samariter. Am Ende des Tages geht es – auch im Sinne der Beschäftigten – um nachhaltige Gewinne. Und nicht um kurzfristiges Abcashen und dann Zusperren. Wolfs Konzept klang schlüssig und finanzierbar.

Überbezahlt

Aus dessen Sicht sind die Betroffenen überbezahlt, es wird zu teuer produziert. Dies stellte bereits der deutsche MAN-Konzern fest, ehe er im Vorjahr beschloss, das Werk 2023 stillzulegen. Der Standort arbeitet profitabel, doch wie lange noch? Schon in jüngster Vergangenheit wurden die nach München überwiesenen Beträge immer kleiner. Denn der Lkw-Markt ist hart umkämpft; und auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung – Stichwort emissionsfreie Antriebe – steigen.

Für die Managementfehler der Vergangenheit können die Mitarbeiter nichts. Zu oft wurde der Konzern umstrukturiert. Und natürlich fühlen sich die Beschäftigten durch die Auszahlung einer Dividende der MAN-Mutter verhöhnt.

MAN ist Geschichte

Doch sollten sie jetzt den Blick in die Zukunft werfen – MAN ist Geschichte. Der Versuch, die erst 2019 gegebene Standortgarantie bis 2030 auf dem Gerichtsweg zu erkämpfen, ist mutig. Das kann klappen, muss aber nicht. Und selbst ein Urteil

im Sinne der Arbeitnehmer wäre nicht zwingend ein Erfolg, schließlich können dennoch laufend Jobs abgebaut werden.

Die Mitarbeiter werden sich wohl bald über ihr kurzsichtiges Denken ärgern. Die Gewerkschaft war ein schlechter Berater. Eher hätten die Betriebsräte bei den Kollegen von Opel in Wien-Aspern nachfragen sollen. Dort stand Wolf vor mehr als zehn Jahren in seiner damaligen Funktion als Magna-Boss kurz vor der Übernahme des deutschen Autobauers, ehe der US-Eigentümer zurückzog. Das weitere Schicksal ist bekannt: Nach dem Verkauf von Opel an Peugeot ist Aspern nur noch ein Schatten seiner selbst.

Wolf war zuletzt der einzige ernst zu nehmende Interessent. Aber vielleicht springt ja die Gewerkschaft selbst ein: Bei Konsum und Bawag hat sie ihre wirtschaftliche Expertise ja schon beweisen dürfen.

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