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Mehr Platz
11/18/2021

Für ein kleines Stück mehr Meinungsfreiheit in Afghanistan

Mit einem Crowdfunding will eine selbst aus Afghanistan geflüchtete Journalistin ihren Kollegen vor Ort helfen.

von Naz Kücüktekin

Es ist still geworden um Afghanistan. Zumindest was die Berichterstattung in den internationalen Medien anbelangt. Die Taliban sind in dem Land aber nach wie vor die Realität, mit der die Bevölkerung leben muss. Seit dem Abzug der US-amerikanischen Truppen hat sich in Afghanistan vieles geändert.

Eingesperrt oder geschlagen

Laut einer Umfrage der „National Union of Journalists of Afghanistan“, die am 3. Oktober 2021 veröffentlicht wurde, sind etwa nur mehr 30 Prozent der Medien in 28 Provinzen Afghanistans seit der Machtübernahme der Taliban aktiv. Eine Reihe von JournalistInnen wurde ins Gefängnis gesperrt, geschlagen oder misshandelt. Haroon Niromand, der Leiter des technischen Teams vom afghanischen Parlament TV, hat sich Anfang November das Leben genommen.

„Andere JournalistInnen mussten sich beruflich umorientieren. Sie versuchen sich als Straßenverkäufer oder kurzweilige Arbeiter im Bauwesen über Wasser zu halten. Doch die Mehrheit an afghanischen Medienschaffenden hat überhaupt keine Möglichkeit, irgendeinen Job auszuüben“, sagt Tanya Kayhan.

Kayhan war einst selbst Journalistin in Afghanistan. Zuletzt arbeitete sie für den TV-Sender Voice of America. Dort machte sie Berichte über die Taliban, Opium und Korruption – und trug dabei kein Kopftuch. Das wurde für Kayhan mit der Zeit immer schwieriger, weshalb sie 2011 nach Österreich flüchtete.

Mittlerweile kann Kayhan auch in Wien dem Journalismus nachgehen. Auf OKTO TV moderiert und gestaltet sie die Sendung “OXUS TV”. Die Sendereihe ist das erste persische Fernsehen für geflüchtete Menschen aus Afghanistan in Österreich.

Mit einer Crowdfunding-Aktion möchten sie und der Verein “IEZ”, der sich für afghanische Flüchtlinge in Österreich einsetzt, nun auch Journalisten vor Ort die Ausübung ihres Jobs ermöglichen. “Wir wollen fünf afghanische JournalistInnen, die nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan ihren Job verloren haben und nun um ihren Lebensunterhalt kämpfen, für ein einjähriges Projekt als `Freelancer` einstellen. So tragen wir einen Teil dazu bei, dass diese weiterarbeiten können und die Meinungsfreiheit in Afghanistan nicht vollkommen erstickt wird,” sagt Kayhan.

Trotz Taliban

Der Plan ist, so viel Geld zu sammeln, dass man den fünf JournalistInnen ein monatliches Gehalt von 200 Euro zahlen kann. 16.569 Euro werden derzeit noch benötigt. In Gegenzug sollen die JournalistInnen aus Afghanistan berichten. Wie das trotz Taliban möglich sein soll?

“Natürlich ist es schwierig. Deshalb werden wir ein wenig herumtricksen müssen und die Inhalte ein bisschen verpacken”. Die Anstellung der Journalistinnen sei vor allem aber auch eine humanitäre Hilfe. “Wenn die Situation so weitergeht, werden die Medienschaffenden in Afghanistan komplett unterdrückt, diskreditiert und eine noch dramatischere Existenzkrise erleben”, betont Kayhan, die täglich mit vielen von ihnen in Kontakt ist.

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