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Lifestyle wohnen
11/11/2019

Bauten, im Wettstreit mit der Natur

Alpine Biwakschachteln, moderne Hütten: Beim Bauen in den Bergen gibt die Umgebung den Ton an. Fünf gelungene Projekte.

von Ulla Grünbacher

Wer an exponierten Stellen in den Bergen baut, nimmt mit aufwendigem Materialtransport und herausfordernder Logistik besonders viel Mühe auf sich. Doch moderne, spektakuläre Bauten kommen vor der Kulisse der Berggipfeln besonders gut zur Geltung – und das ganz ohne die alpentypische Gemütlichkeit. Das Buch „Hohe Häuser. Vom Glück in den Bergen zu wohnen“ zeigt mehr als 20 Bauten in den Bergen Italiens, der Schweiz und Österreichs.

Felderhof in Südtirol

Eines der interessantesten Architekturprojekte ist die Erweiterung des Felderhofs in Südtirol. Besitzer Tom Erlacher hat gemeinsam mit Architekt Pavol Mikolacak einen Erweiterungsbau konzipiert. Der neue Wohntrakt wurde so angelegt, dass er im Hang verschwindet und direkt an das alte Gebäude angrenzt. Nach Süden öffnet eine Glasfront im Hang das Gebäude und ermöglicht spektakuläre Ausblicke. Zwei Oberlichter mitten in der Kuhweide lassen erahnen, dass sich hier unterirdische Räumlichkeiten befinden. Wer von dort nach oben blickt, kann hin und wieder eine Kuh dabei ertappen, wie sie einen Blick durch das Oberlicht wirft. Alt und Neu werden bei diesem Projekt liebevoll miteinander verzahnt.

Biwak Gervasutti in Italien

Ein Blickfang ist das Biwak Gervasutti im Mont-Blanc-Massiv in Italien. Das Gebäude wird nicht dauerhaft bewohnt, sondern ist eine Biwakschachtel auf 2.835 Metern Höhe für Bergsteiger. Das Biwak dient als Lebensretter, wenn plötzlich das Wetter umschlägt, es ist auch ein guter Unterschlupf für Bergsteiger, die mehrtägige Touren machen und dienen als Basecamps für Bergretter. Man muss schwindelfrei sein, um sich an diesem Haus erfreuen zu können, denn es kragt wie ein Sprungbrett über den Abgrund. Benannt ist das Biwak nach dem italienischen Bergsteiger Giusto Gervasutti, der 1946 am Mont Blanc tödlich verunglückt ist.

Pop-up-Hotel in Frankreich

Das von der französischen Stardesignerin Ora Ito entworfene Pop-up-Hotel in Frankreich wird temporär dort angesiedelt, wo es gebraucht wird. Accor Hotels stellen das Flying Nest Hotel im französischen Skiort Avoriaz in 1.800 Metern Höhe auf. Das Gebäude selbst besteht aus ausrangierten Schiffscontainern, die mit Holz verkleidet wurden. Jeweils sechs Container werden über Terrassen zusammengefasst. Große Fenster holen die Landschaft herein.

Starlight Room Dolomites, Italien

So nah waren Urlauber den Sternen noch nie: Auf 2.000 Metern erwartet sie im italienischen Ferienort Cortina d’Ampezzo ein Schlafzimmer unter freiem Himmel. Im neuen „Starlight Room Dolomites“ kann man vom Bett aus Sternschnuppen beobachten. Die Kreation stammt von Raniero Campigotto, dem Manager des Hotels Col Gallina. Das Häuschen ist auf zwei Seiten verglast, innen wird ein gemütliches Hotelzimmer mit Essplatz geboten. Der 360 Grad-Blick auf die Gipfel ist sonst nur Bergsteigern im Biwak vergönnt.

Felsenhaus in Südtirol

Das Felsenhaus für die Familie von Reinhold Messner befindet sich im Villnösstal im Vinschgau in Südtirol. Architekt Werner Tscholl hat aus dem Gneiss des Bergrückens einen Hohlraum gegraben, und das zweigeschoßige Haus hineingestellt. Drei große Öffnungen fungieren als Loggien. Damit sich das Dach an den Stein anpasst, wurde dem Beton Steinmehl beigemengt. Das Ergebnis ist ein Haus, das die Landschaft nicht verstellt, sich ihr vielmehr unterordnet.

Buchtipp

„Hohe Häuser. Vom Glück, in den Bergen zu Wohnen“ von den Autoren Maria Seifert und Wolfram Putz sowie Herausgeber Peter Feierabend ist im Verlag teNeues erschienen.  € 40

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