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Lifestyle Sommer
07/05/2019

Adrenalin hilft

Für den Fünffachsieger in der Boulder-Weltcupgesamtwertung Kilian Fischhuber hat das Hormon eine unterstützende Wirkung.

von Julia Gschmeidler, Magdalena Meergraf

Mit elf Jahren hat der gebürtige Niederösterreicher Kilian Fischhuber das erste Mal eine Kletterhalle besucht – eher durch Zufall und Neugier, wie er heute sagt. Gleich im selben Jahr ging es schon nach Slowenien und Italien, um sich nicht nur an der Boulderwand zu probieren, sondern auch am Felsen. Mittlerweile ist der 34-Jährige schon auf mehreren Kontinenten Felswände hinaufgeklettert, war im Iran, China, Australien und zuletzt in Sibirien nahe Jakutsk, wo noch nie zuvor Kletterer waren und er in der Tundra übernachtet hat.

Ein bewusstest Risiko geht Fischhuber allerdings nie ein, er ist stets mit einem Seil gesichert. „Trotzdem habe ich genug Adrenalin“, sagt er. „Wenn du sechs Meter über der letzten Sicherung stehst und du nicht weißt, ob die nächsten Meter brüchig oder solide sind, da kommt das Adrenalin von selbst.“ Und das brauche er auch, um in riskanten Situation den Tunnelblick abzuwenden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Der Boulder-Europameister von 2013 gibt aber auch zu bedenken, dass man mit dem Adrenalinkick auch umzugehen wissen muss.

Denn wenn man überall nur mehr zittert und Schnappatmung bekommt, sei das gefährlich. In Kletterhallen verschlägt es Fischhuber eher bei Schlechtwetter, lieber ist er in der Natur unterwegs und sucht in verschiedenen Ländern nach neuen Herausforderungen am Felsen. Das Klettern sieht der studierte Sportwissenschaftler dabei als Ur-Bewegungsform, die schon als Kleinkind in uns steckt. „Es ist ein cooles Gefühl, wenn man eine Route geschafft hat, runterschaut und sich denkt: ‚Wow, da bin ich nur mit meinen Händen und Füßen raufgeklettert‘“, sagt er.

Dabei hatte er gerade zu Beginn Respekt und auch eine gewisse Angst vor der Höhe und vergleicht die Felswand mit einem 10-Meter-Brett: Man weiß, dass man sich nicht verletzen wird, aber man hat trotzdem Angst. So sei das auch beim alpinen Klettern, wenn man ins Nichts klettert und man sich zwischen Sicherheit und Risiko entscheiden müsse.