Nehmen Sie hoch das Bein ...

GERMANY DANCING
Foto: APA/Hendrik Schmidt

Eddy Franzen ist Tanzhistoriker in Theorie und Praxis. Mit einer Vorliebe für die 20er-Jahre.

Er und sie machen auf der Tanzfläche einmal X-, dann O-Beine. Knie und Füße werden abwechselnd und in rasender Geschwindigkeit nach innen und außen gedreht. Szenen, wie man sie in jedem Ballsaal in Österreich beobachten kann. Mit dem feurigen 4/4-Takt von „Ain’t she sweet“ können die jungen Ballbesucher von heute immer noch etwas anfangen, obwohl die goldene Ära des Charleston seit 80 Jahren vorüber ist.

… Foto: JENNYB79 - FOTOLIA 28713234/jennyb79/Fotolia „Tanzen ist etwas Lebendiges“, sagt Eddy Franzen, Fachlehrer für historische Tänze. Zur Zeit von Johann Strauß Vater war der Walzer der Tanz der Jugend, vor allem wegen des engen Körperkontakts. Um die Jahrhundertwende kamen dann Foxtrott und später Charleston auf, „die Jugend wollte nicht mehr Quadrille tanzen, auch der Walzer war kurz weg“. Oscar Straus komponierte 1920 die Operette „Der letzte Walzer“, weil er annahm, mit dem Wiener Walzer gehe es zu Ende.

Überhaupt herrschte in den vergangenen Jahrzehnten ein Kommen und Gehen auf der Tanzfläche. In den 1910er und 1920er gelangten lateinamerikanische Tänze wie der Maxixe nach Österreich, der sich aber erst 1948 unter dem Namen Samba und mit dem Hit „Maria aus Bahia“ durchsetzen sollte. Anfang der 1930er-Jahre kam die Rumba auf und 1957 eroberte der Cha-Cha- Cha das europäische Parkett, ungefähr zeitgleich mit dem Mambo. Jener wurde von den damaligen Tanzlehrern allerdings abgelehnt, und zwar mit dem Argument, dass „man beim Mambo Foxtrott tanzt und dabei ein bisschen mit den Hüften wackelt“. Es dauerte bis 1987, als der Tanzfilm „Dirty Dancing“ dem Mambo zum Durchbruch verhalf.

Man kann bis zu den Kriegstänzen der Römer zurückgehen , man findet für jeden Modetanz Vorläufer. Und so sind auch Standardtänze wie der Quickstep, die im Tanzkursprogrammen wie in Stein gemeißelt scheinen, nicht aus dem Nichts aufgetaucht. Einer der Quickstep-Vorgänger war der Storch Trott, ein Tanz, bei dem die Beine hinten stark angehoben werden – wie von den Tanzmeistern Karin Lemberger und Eddy Franzen im Bild links vorgeführt.

Die Tanzmoden bekamen über die Jahre immer neue Namen, aber die Schritte sind die gleichen geblieben. Franzen geschichtsbewusst: „Wir haben nur zwei Füße.“ Einen Wechselschritt gab es auch schon im 18. Jahrhundert, nur nannte man das damals nicht so.

Tanzbuch und Fächer

Tanzmeisterpaar beim Tanzen, Tanz… Foto: christandl jürg Stark gewandelt hat sich das Verhalten der Ballgäste. Schmiss man sich noch im 19. Jahrhundert zur Eheanbahnung in Schale, betritt und verlässt man heute in der Regel den Ballsaal mit ein und dem selben Partner. Auf Tanzschritte umgelegt, bedeutete das: Beim Linkswalzer wurde nicht – so wie heute – eingekreuzt, der Herr musste die Dame nahe, sehr nahe an sich heran pressen, um sie zu drehen. Ein intimer Moment, der gut vorbereitet werden musste.

Die Herren näherten sich den Damen mit den Worten: „Darf ich mich in ihre Tanzkarte eintragen“. Das sogenannte Tanzbuch der Dame war eine genaue Auflistung der Tänze, die das Orchester an einem Abend spielte. Man(n) musste sich also beeilen, wenn er sich Hoffnungen machte.

Dann gab es noch die „Fächersprache“ der Damen. Fächer fallen lassen war eine Aufforderung: „Ich will mit dir plaudern.“ Sehr unruhig fächern bedeutete: „Lass mich in Ruhe.“

Die Männer trugen Handschuhe. Nicht etwa, weil alle früher Schweißpratzen gehabt hätten, sondern aus dem praktischen Grund, „weil die Kleider sonst schmutzig geworden wären und mit den damaligen Mitteln konnte man sie nicht so gut putzen wie heute.“

www.eddyfranzen.at Das Tanzensemble Les Nobles zelebriert die goldenen Zwanziger

Ballblitz

Last-Minute-Schnellsieder-Kurse

Wo man jetzt noch die eingerostete Tanztechnik aufpoliert.

Tanzschule Elmayer (1010 Wien, Bräunerstraße 13, 01 / 512 71 97): Im Blitzkurs studieren Teilnehmer die häufigsten Ball-Tänze ein – Wiener Walzer, Langsamer Walzer, Boogie, Foxtrott, Cha-Cha-Cha und Polka. Drei Mal 60 Minuten kosten 80 € pro Paar. Beginn: 31. 1., 21 Uhr.

Tanzschule Bierbach (1010 Wien, Getreidemarkt 12, 01 / 586 06 00): Der Blitzkurs soll tänzerische Probleme lösen. Drei Abende à 1,5 Unterrichtsstunden kommen auf 36 € pro Teilnehmer. Beginn: 22. Jänner, 20.30 Uhr.

Tanzschule Stanek (1010 Wien, Grashofgasse 1a, 01 / 513 42 92): Ballblitz 4 vermittelt die wichtigsten Schritte für die bevorstehende Tanzveranstaltung. Preis für 240 Minuten: 59 € pro Person. 3. Februar, 14 Uhr.

Tanzschule Immervoll (1130 Wien, Altgasse 6, 01 / 877 66 96): Der Crashkurs findet an vier Abenden je eine Stunde statt. Jeder Teilnehmer zahlt 48 €. Gegen Aufpreis ist ein Übertritt in einen laufenden Paarkurs möglich. Beginn: 22. Jänner, 18 Uhr.

Tanzschule Conny & Dado(8010 Graz, Körösistraße 81, 0664 /158 33 22): Ballroom Basics 2 frischt Schritte und Figuren auf. Zwei Abende à zwei Stunden kosten 46 € pro Person. Beginn: 24. Jänner, 19.45 Uhr.

Tanzschule Citydance-Meissner (4040 Linz/Urfahr, Leonfeldner Straße 328, 0732 / 71 03 03): Der Blitzkurs, der sich Gesellschaftstänzen widmet, nimmt’s genau: Sechs Einheiten à 1,5 Stunden kosten 93 € pro Person. Beginn: 28. Jänner, 20.30 Uhr.

(kurier) Erstellt am
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