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Tiercoach
11/04/2012

Mit Zähnen und Krallen

Zoo-Direktorin Dagmar Schratter und ihr Team beantworten Leser-Fragen zu Haustieren.

von Hedwig Derka

Passen Welpe und betagter Vierbeiner zusammen? Warum kratzt der Kater an der Tür? Sind kleine Hunde von Natur aus Kläffer? Wodurch wird Katzenleukämie übertragen? KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter, Direktorin des Tiergarten Schönbrunn, und ihr Team wissen Antworten auf Leser-Fragen:

Unser roter Spaniel Lucky ist zwölf Jahre alt. Wir haben ihn vor acht Jahren aus einem Tierheim geholt. Er war sehr, sehr schwierig und hat uns sogar gebissen. Wir haben ihn jedoch sehr lieb gewonnen und schöne Zeiten mit ihm verbracht. Seit zehn Monaten ist er dement, fast blind und taub. Er schläft aber genüsslich jeden Tag bis Mittag, und die Schmause schmeckt ihm. Er ist friedlich und lässt sich herumtragen und knuddeln. Nach dem „Gschäftl“ dreht er um und will nach Hause. Da wir nicht gerne alleine spazieren, bekommen wir einen zwölf Wochen alten orangeschimmel Spaniel. Lucky interessieren andere Hunde nicht mehr, so wird er dem kleinen Weibchen nichts zuleide tun. Meine Frage ist: Ab wann soll man eine Welpenschule besuchen, und was soll man einem Spaniel beibringen? Wir wollen einen lieben, fröhlichen Hund, der nicht beißt und im Alter nicht Demenz bekommt!

Es ist schön, dass auch ein schwieriger Hund aus dem Tierheim bei liebevoller Pflege ein so gutes, langes Leben führen kann. Natürlich wünscht man sich einen Hund, der einen überall hin begleitet, und Ihr Wunsch nach einem jüngeren Hund ist verständlich. Leider ist die Kombination sehr alter Hund und sehr junger Hund keine Ideallösung. Vor allem, weil der alte Hund am meisten darunter leidet, da er eigentlich nur noch seine Ruhe haben will. Ein Welpe aber wird immer wieder versuchen, den älteren Hund zum Spiel aufzufordern. Damit ist die dringend benötigte Ruhe für den älteren Hund vorbei. Als häufige Folge werden diese Hunde sehr oft krank. Es kann auch wieder aggressives Verhalten auftreten, was vorher völlig weg war.

Eine Welpenschule können Sie dann besuchen, wenn der Welpe vollständig durchgeimpft ist. Meistens beginnen die Kurse ab September/Oktober. Eine gute Hundeschule wird dann in Folge mit Ihnen besprechen, was für Sie und Ihren Hund die ideale Ausbildung ist.

Leider gibt es keine Garantie für einen lieben, fröhlichen Hund. Das ist immer ein Kombination von angeborenen Fähigkeiten und dem durch Erfahrungen Erlernten. Man kann sich bemühen, alles richtig zu machen und damit werden die Chancen dafür steigen – Garantie gibt es nie.
Genauso ist Demenz eine Krankheit, die je nach Veranlagung und gesundheitlichen Zustand bei manchen Hunden stärker, schwächer oder gar nicht vorkommt, auch dafür gibt es keine Garantie.

Mir ist vor zirka sechs Jahren ein Kater zugelaufen, der nun etwa 15 Jahre alt ist. Bis jetzt war alles in bester Ordnung, er war brav und sehr verschmust. Seit Kurzem mag er keine geschlossenen Türen. Ich will ihn in der Nacht nicht im Bett haben und schließe daher die Schlafzimmertüre. Jede Nacht fängt er derart an der Tür zu kratzen an, dass ich gezwungen bin aufzustehen und ihn hinauszuwerfen. Inzwischen kratzt er auch grundlos bei offenen Türen an den Türstöcken. Was kann ich tun?

Ihr Kater scheint neuerdings in der Nacht ein Bedürfnis zu haben – sei es Hunger, Durst oder schlichtweg Langeweile –, das er gestillt haben möchte. Mit dem Kratzen an der Tür war er schon recht erfolgreich, er bekommt zumindest einmal ihre Aufmerksamkeit. Und nichts anderes steckt hinter dem Kratzen an Türen und Türstöcken. Er hat gelernt, so ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Falls ihn Hunger und/oder Langeweile ruhelos machen, könnten sie versuchen, ihn mittels zeitgesteuertem Futterautomaten zufriedenzustellen. Keinesfalls sollte er übers Kratzen an der Tür sein Ziel erreichen. Kratzen muss ignoriert werden, ruhiges, erwünschtes Verhalten wird belohnt.

Unsere Nachbarn haben vor etwa einem Jahr zwei kleine Hunde bekommen. Sie sehen aus wie Chihuahuas. Die an sich sehr lieben Tiere kläffen, sobald sie in den Garten gelassen werden – ununterbrochen, nicht freudig erregt, sondern total hysterisch, und das stundenlang. Wie sich die beiden im Haus benehmen, weiß ich nicht. Sie sind vormittags im Haus sich selbst überlassen. Hin und wieder werden sie angeleint spazieren geführt. Dann sind sie lautlos. Ist das Kläffen eine Charaktereigenschaft dieser Rasse, oder ist etwas bei der Erziehung dieser Hunde falsch gelaufen? Schadet das stundenlange Kläffen den kleinen Tieren? Wie könnte dieses Problem gemeistert werden?

Chihuahuas sind nicht von Natur aus Kläffer, aber auch ein so kleiner Hund muss erzogen werden. Für übertriebenes Kläffen gibt es unterschiedliche Gründe. Bei den Nachbarhunden könnte es sich um eine Unterstimulierung handeln, sie sind vormittags sich selbst überlassen, langweilen sich vielleicht, und wenn sie in den Garten kommen, versuchen sie, die überschüssige Energie auch durch Bellen loszuwerden.
Ein anderer Grund könnte sein, dass die beiden die heimlichen Herren im Haus sind, und als solche müssen sie natürlich Haus und Umgebung verteidigen. Das übertriebene Kläffen schadet den Hunden selbst nicht. Wenn die Gründe für das Kläffen festgestellt sind, kann man es den Hunden durch gezieltes, konsequentes Training auch wieder abgewöhnen. Ich würde raten, fürs Erste die Erfahrung eines Hundetrainers in Anspruch zu nehmen.

Unsere Katzen Maxi und Moritz sind leider im Mai gestorben. Die fünf Monate alten Vierbeiner aus dem Tierheim sind laut Tierarzt an FIP bzw. Leukose gestorben. Wir haben jetzt die Absicht, wieder zwei Katzen anzuschaffen. Ist es denkbar, dass sich die beiden neuen, gesunden Katzen mit diesem Virus anstecken, wenn sie die gereinigten Körbchen von Maxi und Moritz bzw. auch das frühere Katzenklo benützen?

Es freut mich sehr, dass Sie sich wieder dazu entschlossen haben, Katzen zu nehmen. Und keine Sorge, Leukose ist nur durch direkten Kontakt und Austausch von Körperflüssigkeiten übertragbar, und der Erreger der FIP ist ebenso nicht mehrere Monate auf Decken etc. überlebensfähig.05.11.2012/leben/13/a

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