Sonja Winkelbauer: „Ich führe wieder ein halbwegs normales Leben – und kann mit meinen Hunden wieder spazieren gehen“

© foto stuhlhofer-wolf gmbh

Ich kann wieder gehen und lachen
09/20/2012

"Ich kann wieder gehen und lachen"

Chronische Schmerzpatienten benötigen eine Kombination verschiedener Verfahren – und einen echten Spezialisten.

von Ernst Mauritz

Vor 30 Jahren hatte die Steirerin Sonja Winkelbauer, 51, ihren ersten Bandscheibenvorfall. Ein zweiter und acht Operationen folgten, trotzdem wurden die Schmerzen unerträglich. "Zwei Jahre konnte ich nur liegen. Eine Psychologin erklärte mir, dass ich mich damit abfinden müsse, nie wieder gehen zu können." Zufällig sah sie im Jahr 2000 bei einem Spitalsaufenthalt in der Steiermark einen TV-Beitrag über ein neues System zur Schmerzdämpfung: Implantierte Elektroden senden schwache elektrische Impulse aus, die das Rückenmark stimulieren – statt der Schmerzen spürt der Patient ein leichtes Kribbeln.

"Mein behandelnder Primar hat ausfindig gemacht, dass dieses System auch am Wiener AKH / MedUni Wien an der Abteilung von Schmerzspezialist Univ.-Prof. Hans-Georg Kress eingesetzt wird. "Eine Woche später war ich dort. Seither ist wieder ein halbwegs normales Leben möglich – und ich kann wieder mit meinen Hunden spazieren gehen."

Winkelbauer erzählte ihre Geschichte Mittwochabend beim dritten Gesundheits-Talk von KURIER, MedUni Wien und Novartis im Rektoratssaal der MedUni Wien. Moderiert von Martina Salomon (stv. KURIER-Chefredakteurin) diskutierten Winkelbauer, Kress (Klinische Abt. für spezielle Anästhesie und Schmerztherapie AKH Wien / MedUni Wien) sowie die Akupunkturspezialistin Daniela Stockenhuber mit mehr als 120 Zuhörern.

"Es ist keine Zauberpille zu erwarten, mit der wir alle Schmerzen beherrschen können", sagte Kress: "Aber ich wäre schon zufrieden, würden die derzeit zur Verfügung stehenden

Methoden alle unsere chronischen Schmerzpatienten erreichen." Noch immer werde zu wenig zwischen akutem und chronischem Schmerz unterschieden: Letzterer sei immer ein biopsychosoziales Phänomen: "Bio steht für körperliche Störung, psycho heißt, dass die Psyche, die Stimmungslage, eine Rolle spielt und sozial bezieht sich auf die Bedeutung unserer sozialen Umwelt für die Schmerzentstehung."

Deshalb könne man chronische Schmerzen auch nie mit nur einer einzigen Methode behandeln. Halten akute Schmerzen trotz Behandlung (etwa beim Hausarzt) länger als drei bis sechs Monate an, sollte unbedingt ein Schmerzspezialist eingeschaltet werden.

Auch Friedrich Mayer, 68, litt nach zwei Bandscheibenvorfällen trotz mehrerer Operationen an unerträglichen Schmerzen. 2006 erhielt er am Wiener AKH eine Schmerzmittelpumpe implantiert – sie gibt das Schmerzmittel kontinuierlich direkt in den Rückenmarkskanal ab. "Jetzt kann ich wieder einige Schritte gehen" – "und auch lachen", fügte seine Frau Sonja hinzu.

Akupunktur

"Bei Schmerzpatienten bietet sich Akupunktur als ergänzende Methode sehr gut an", sagte die Allgemeinmedizinerin Daniela Stockenhuber (Akupunkturambulanz im Krankenhaus Hietzing) . "Die größte Gruppe, die wir behandeln, sind Patienten mit Kreuzschmerz, gefolgt von Nackenverspannungen und Kopfschmerz." Solange die Möglichkeit bestehe, dass sich der Körper regeneriere, könne Akupunktur erfolgreich eingesetzt werden. "Wie schnell die Patienten reagieren und wie lange die Schmerzlinderung anhält, ist von Patient zu Patient unterschiedlich", sagt Stockenhuber: "Ich habe Patienten mit Arthrosen, die behandle ich zehn Mal je im Abstand von einer Woche – das hilft ihnen für ein halbes Jahr."

Der KURIER, die MedUni Wien und Novartis veranstalten vier Mal im Jahr einen Gesundheits-Talk. Die nächste Veranstaltung findet am 19. 11. zum Thema Atemwegserkrankungen statt: 18 Uhr, MedUni Wien, Rektoratssaal, 1090 Wien, Spitalg. 23

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