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Leben
11/15/2021

Vorsorge und Bekämpfung: Was man gegen Kleidermotten tun kann

Mit natürlichen Gegenspielern, Essigwasser und Zedernholz kann man den Lästlingen zu Leibe rücken.

von Hedwig Derka

Der Verdacht erhärtet sich, das unbekannte Flugobjekt wird wohl eine Kleidermotte gewesen sein: Der Strickpullover weist Fraßlöcher auf. Die Unterzieh-Shirts für den Winter aus Mischmaterial sind mit winzigen Kotkügelchen verschmutzt, manches hat die selbe Farbe wie das Gewebe. Auf Stoffmantel und Wollschal haften Gespinste, die den Larven als Kinderstuben dienten. – Der Garderobenwechsel von Lüftig auf Wärmend fördert die Schäden zu Tage. Klebefallen, die männliche Insekten mit Sexualduftstoffen anlocken, liefern den Beweis.

Das ganze Jahr aktiv

„In freier Natur haben Kleidermotten zwischen Mai und August Saison. In der beheizten Wohnung sind sie das ganze Jahr aktiv“, sagt Harald Brugger von „die Umweltberatung“. Experten erklären, wie den einfärbigen Faltern, die sich nur als Raupe von Textilien tierischen Ursprungs ernähren, zu Leibe zu rücken ist; mit Nützlingen bis Zedernholz. Auch die Broschüre „Ameisen, Motten & Co“ enthält wertvolle Tipps.

Schlupfwesen mögen Motten

„Schlupfwespen sind sehr klein, sie sind ein Kugelschreiberpunkt mit Flügeln. Ohne Lupe sieht man sie nicht“, sagt Anna Weißenböck von „biohelp Garten& Bienen“. Das Unternehmen bietet seit mehr 30 Jahren biologische Schutzmaßnahmen für Pflanzen und Haushalt an. Im Wiener Geschäft und via Homepage gibt es gezüchtete Trichogramma evanescens; 2.000 Stück parasitierter Eier unterschiedlichen Alters sind in einem Papierbriefchen abgepackt. Die lange Kur um 71 Euro umfasst sechs Mal je vier dieser Kärtchen; Überdosierung überflüssig, es kommt auf die Langzeitwirkung an.

Die Kärtchen mit dem lebenden Inhalt sollen möglichst schnell nach Lieferung in den Kleiderkasten bzw. zum vermuteten Nest im begehbaren Schrank, hinter dem Sofa, unter dem Teppich. Sobald die Schlupfwespen erwachsen sind, spüren sie die Motteneier auf, stechen diese mit ihrem Legebohrer an und setzen darin ihre eigenen Eier ab. Die Folge: Statt hungriger Fasern- und Pelzvertilger entwickeln sich harmlose Helferchen. Schlupfwespen können nicht stechen, stirbt die Nahrungsgrundlage für ihre Nachkommen aus, verschwinden sie ebenfalls.

Gründliches Putzen bis in den letzten Winkel

Die Nützlinge haben einen Bewegungsradius von maximal einem Meter. Umweltschützer Brugger sieht denn die biologische Bekämpfungsart als „zusätzliche Maßnahme“. Wie Weißenböck betont er, wie wichtig Spurenbeseitigung ist. Die nächste Umgebung um das Motten-Zuhause gehört gesaugt, Regalbretter müssen bis in den hintersten Winkel mit Essigwasser gewischt werden.

Kleidungsstücke sollen bei möglichst hoher Temperatur gewaschen oder in die Putzerei gebracht werden. Eine anschließende Schocktherapie bei minus 18 Grad Celsius sollte den Lästlingen restlos schaffen. Was nicht zu retten ist, kommt in einem dichten Sack in den Müll. „Das Prozedere bleibt einem nicht erspart“, sind Brugger und Weißenböck einig. Im Gegenteil: Die aufwendige Aufräumaktion muss drei Wochen später wiederholt werden. Nur so kann der Entwicklungszyklus der ungeliebten Schmetterlinge  unterbrochen werden.

Abwehr mit Gerüchen

„Kleidermotten mögen keinen Lavendelduft und keinen Geruch von aufgerautem Zedernholz“, sagt Brugger. Blütensäckchen und ätherische Öle im Kasten können Motten fern halten. Weißenböck ergänzt: „Mit Schlupfwespen lassen sich gute Erfolge erzielen. Aber man darf gleichzeitig keine anderen Mottenbekämpfungsmittel einsetzen.“ Sogar manch „natürliches“ Mottenschutzmitte kann Insektizide enthalten, beim Kauf auf Kleingedrucktes achten. Chemische Mottenkugeln etwa sind jedenfalls Gift – für die ungebetenen Gäste und ihre Gegenspieler.

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