Leben 13.02.2017

V-Day: Tanzen als politisches Statement

One Billion Rising auf den Philippinen im Februar 2016 © Bild: APA/AFP/NOEL CELIS

Die Kampagne One Billion Rising setzt sich seit fünf Jahren gegen Gewalt an Frauen ein.

"Superheld*innen gegen Gewalt" stehen im Mittelpunkt der Kampagne "One Billion Rising Austria" (OBRA), bei der auch heuer am 14. Februar mit Tanz und Musik ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen gesetzt wird. "Gewalt an Frauen ist ein Verbrechen, kein Kavaliersdelikt", betonte Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin des EU-Parlaments, am Montag anlässlich einer Pressekonferenz in Wien.

Jede fünfte Frau ab dem 15. Lebensjahr in Österreich ist von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen, jede Dritte wird sexuell belästigt. "Gewalt an Frauen ist eine der häufigsten Menschenrechtsverletzungen. Frauen und Mädchen brauchen Instrumente, um mit dieser Gewalt umzugehen", sagte Ewa Dziedzic, Bundesrätin der Grünen und im OBRA-Vorstand.

Eindrücke vom One Billion Rising in Wien im Jahr 2016 (c) Andrea Peller
© Bild: Andrea Peller

Eines dieser Instrumente ist ein lauter Auftritt mit Tanz und Musik, zeigte sich Aiko Kazuko Kurosaki, die künstlerische Leitung von OBRA, überzeugt. Sie sieht Frauen, die in der Öffentlichkeit tanzen, als politisches Statement. Das sei nicht immer selbstverständlich gewesen und sei es bis heute nicht. Tanz als eine der ältesten Kunstformen sei bereits in den patriarchalen Hochkulturen des Altertums den Frauen untersagt gewesen. Immer noch gebe es viele Länder, wo Tanzen den Frauen streng untersagt sei. "Zum Glück ist das in Österreich nicht der Fall."

Engagement der Männer gefordert

"In Zeiten, in denen Präsidenten gewählt werden, für die Sexismus zum Alltag gehört, gibt es noch viel zu tun", bekräftigte auch Lunacek, die u.a. einen Beitritt der EU zur Istanbul-Konvention (Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt) forderte. Auch müsse es in jedem Land gleiche rechtliche Definitionen von Gewalt geben. So könnten effizientere Maßnahmen dagegen gesetzt werden, denn "Gewalt gegen Frauen ist ein grenzüberschreitendes Problem." Außerdem müssten sich wesentlich mehr Männer engagieren als bisher.

(c) Andrea Peller
© Bild: Andrea Peller

Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF), sieht tendenziell negative Entwicklungen: "Die instabile und unsichere Situation in Europa wirkt sich auf die Frauen aus. Wir erleben derzeit einen Backlash, Frauenrechte werden weltweit mit Füßen getreten." Bewusstseinskampagnen wie OBRA seien - neben deutlichen Verbesserungen auf Gesetzesebene - daher besonders wichtig. Die Regierungen müssten allerdings viel mehr Geld investieren als bis jetzt.

(c) Andrea Peller
© Bild: Andrea Peller

Fünfjähriges Jubiläum der Aktion

"Jede Frau ist eine Superheldin in ihrer Lebensbewältigung", nahm SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek das Motto der Veranstaltung auf. Viele Fortschritte und Novellierungen der Gesetze habe es in Österreich bereits gegeben, doch müsse "aktive Gleichberechtigungspolitik betrieben werden". So sei etwa ein Unterhaltssicherungsgesetz nötig, um zur ökonomischen Sicherheit von Frauen beizutragen.

Die internationale Kampagne One Billion Rising (OBR) setzt sich für ein Ende jeglicher Form von Gewalt an Frauen und Mädchen ein. Initiiert wurde die jährlich am Valentinstag (14. Februar) stattfindende Aktion im Jahr 2012 von der New Yorker Künstlerin Eve Ensler. In Wien wird zum fünfjährigen Jubiläum der Aktion unter dem Motto "Superheld*innen gegen Gewalt" am Dienstag ab 17.00 vor dem Parlament getanzt.

( Agenturen , elmo ) Erstellt am 13.02.2017