Leben
15.06.2017

Neues Lager-Haus für das Technische Museum

Das Technische Museum hat 10.000 Objekte in ein Hightech-Depot im Marchfeld übersiedelt.

"Wenn Sie zum Ende der Welt wollen, sind Sie in Haringsee schon zu weit." Erklärt einer, der es wissen muss. Weil das KURIER-Team von Google geradewegs ins Nirvana des Marchfelds dirigiert wurde, hilft der Haringseer Biobauer und Kabarettist Pepi Hopf schnell zurück in die Spur.

Das neue Depot des Technischen Museums befindet sich nämlich noch ein Stück weiter, am Ende eines noch namenlosen Feldwegs, hinter dem Sportplatz. Auf einem Areal von rund zehn Hektar, in direkter Nachbarschaft von neun Depothallen, die mit den kleinen Aufschriften Art for Art bzw. Vereinigte Bühnen versehen sind.

Spitze des Eisbergs

"Das größte Problem von Museen auf der ganzen Welt ist ihr Depotplatz", eröffnet Museumsgeneraldirektorin Gabriele Zuna-Kratky bei der Präsentation des neuen Depots mitten im Marchfeld, quasi zwischen frischem Spargel und duftenden Erdbeeren. "Was Sie in unserem Museum in der Mariahilfer Straße sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Gut 95 Prozent unserer Ausstellungsgegenstände sind in Depots untergebracht."

Der Großteil der technischen Gerätschaft des Museums befindet sich weiterhin im Zentraldepot in Wien-Breitensee. Einige Lokomotiven parken auf dem Bahnhof in Marchegg. Die schweren Maschinen und Fahrzeuge standen bis zum Ende des Vorjahrs in einer alten Industriehalle der Firma Siemens in der Floridsdorfer Siemensstraße. Weil dort nach 16,5 Jahren der Mietvertrag ausgelaufen war, musste man handeln. Und handelte gut.

"Die Übersiedlung von Floridsdorf nach Haringsee war eine logistische Meisterleistung", ist Helmut Lackner wohl zu Recht auch ein bisschen stolz auf die Arbeit seines Teams. 350 Mal fuhren dicke Brummer mit historisch wertvoller Fracht in Richtung Ende der Welt. Acht Millionen Euro, weniger als ursprünglich budgetiert, haben der Umzug und der Bau der neuen Halle gekostet. Mit Lagerhäusern hat man in einem Kernland der niederösterreichischen Landwirtschaft durchaus Erfahrung: Dieses Lager-Haus spielt aber zusätzlich alle technischen Stückerln. Seine Fußbodenheizung und seine beiden Trocknungsanlagen gewährleisten eine Temperatur um die 22 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit plus/minus 50 Prozent.

Diese Atmosphäre ist notwendig, um all das alte Holz, das Metall und den Gummi gut zu konservieren, erklärt Diplomingenieur Martin Barta, der die Abteilung für Inventur und Depot im Technischen Museum leitet.

Technikfreunde kämen in Haringsee auf ihre Rechnung– wenn sie rein dürften. Hier parkt und lagert neuerdings das Who is Who der österreichischen Industriegeschichte, rund 10.000 große und schwere Teile, unter anderem:

# die 1851 gebaute Dampflokomotive Licaon aus der Maschinenfabrik der Wien-Gloggnitzer-Bahn;

# eine 29 Tonnen schwere Zeitungsrotationsmaschine aus den 1930er-Jahren;

# eine Kreissäge aus dem Jahr 1816;

# ein kettenbetriebener Postautobus vom Arlberg;

# ein Brettfallhammer, der von 1912 bis 1970 bei der Firma Steyr-Daimler-Puch in Steyr im Einsatz war.

# ein Übertragungswagen vom Österreichischen Rundfunk aus den 1960er-Jahren.

Außerdem: zig Oldtimer, historische Motorräder, Fahrräder, Segelflieger, zwei Motorflugzeuge, ein Wohnwagen, Röntgengeräte, Webstühle sowie eine absolut geniale Strohhutpresse.

Direktorin Zuna-Kratky zeigt sich sehr zufrieden: "Wir haben lange einen geeigneten Standort gesucht. Für mich ist diese Übersiedlung der größte Erfolg in meiner inzwischen 17 Jahre währenden Amtsperiode im Technischen Museum." Das gut katalogisierte Gerät ist die eiserne Reserve, erklärt die Direktorin. Für die eigenen Ausstellungen, aber auch für Leih- gaben an andere Museen.

Nabel der Republik

Roman Sigmund, Bürgermeister der Großgemeinde Haringsee (1500 Einwohner), ist auch begeistert. Er sieht seine Gemeinde nicht am Ende der Welt, sondern im Herzen des Marchfelds. Mit einem Hinweis auf all die Kunstschätze des Technischen Museum sowie von Staats-, Volksoper und Burgtheater in den benachbarten Hallen und mit einem Augenzwinkern erklärt er: "Ein bisschen dürfen wir Haringseer uns auch als der Nabel der Republik betrachten."