Leben
21.03.2018

Shitstorm im Netz: Mutter gibt Kind Wasabi zu essen

Weil eine Mutter ihrem Kind die scharfe Gewürzpaste zu kosten gab, wird sie im Internet der Kindesmisshandlung bezichtigt.

Videos, die Kinder dabei zeigen, wie sie besonders geschmacksintensive Lebensmittel essen, haben durchaus Unterhaltungspotenzial. Legendär ist zum Beispiel das Video, das Kinder beim Zitronenessen zeigt. Unvergessen ist auch der Clip, in dem ein Mädchen vehement darauf besteht eine Zwiebel zu essen. Im Internet werden Beiträge wie diese größtenteils mit Humor aufgenommen, der Shitstorm bleibt aus.

Eine Mutter aus Großbritannien hat die Grenze nun offenbar überschritten. Weil sie ihrer Tochter Wasabi zu essen gab, hagelt es Kritik für die Frau.

Ein Video, welches sich kürzlich viral im Internet verbreitete, zeigt, wie die Mutter ihr Kind fragt, ob es Wasabi essen wolle. Das kleine Mädchen antwortet mehrfach mit "nein". Schlussendlich siegt jedoch die Neugier und das Kind lässt sich von der Mutter einen kleinen Happen der Paste in der Mund stecken. Nur wenige Sekunden später scheint der scharfe Geschmack der Pflanzenpaste einzusetzen, denn das Kind blickt in die Kamera und sagt "Hilfe".

"Wie kann eine Mutter darüber lachen?"

Einige User zeigen sich nach dem Ansehen des Videos erbost über das Verhalten der Mutter. Sie werfen ihr unter anderem " Kindesmisshandlung" vor. Auf Facebook, wo das Video auf dem Account UNILAD geteilt wurde, erhielt das Posting bisher über 200.000 Shares. Der Clip wurde zudem über 14 Millionen Mal angesehen. "Irgendjemand muss dieses Video wegen Kindesmisshandlung an die Behörden melden! Wasabi brennt und wenn es im Mund brennt, kann es dazu führen, dass das Kind erstickt", schreibt eine Userin verärgert. Eine andere bezeichnet die Szene als "grenzwertig". "Das arme Mädchen. Sie wurde nicht gewarnt, sondern dazu überredet. Wie kann eine Mutter über die Reaktion lachen?", so die Nutzerin weiter.

Ärztin beschwichtigt

Einige User finden das Verhalten der Mutter hingegen unbedenklich. Im Interview mit dem Independent erklärt Kinderärztin Lisa Lewis, dass es tatsächlich nicht gefährlich ist, Kleinkinder mit geschmacksintensiven Lebensmitteln zu füttern. Im Gegenteil, es könne sogar verhindern, dass das Kind später im Leben zu einem besonders heiklen Esser werde. Lewis geht außerdem davon aus, dass das Kind im Video womöglich über den Geschmack der Wasabi-Paste überrascht war, es aber keine bleibenden Schäden davongetragen hat.

Wasabi ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzblütengewächse. In der japanischen Küche wird er als scharfes Gewürz verwendet. In Europa wird aber meist eine Paste aus gezüchteten Kren-Arten oder ein Kren-Senf-Gemisch serviert. Die grüne Farbe wird durch Chlorophyll oder die Alge Spirulina erzeugt. Grund dafür ist, dass wild wachsender Wasabi, auch echter Wasabi genannt, heiß begehrt ist und die Ernte heutzutage nicht einmal die japanische Nachfrage abdeckt.