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Leben Reise

Dublin: Zitronenseife, die nach Wien führt

Warum „Sweny’s Apothecary“ eine Anlaufstelle eingefleischter Joyce-Fans ist. Eine Nahaufnahme aus der irischen Hauptstadt.

von Ingrid Teufl

12/05/2022, 07:00 AM

Der persönlichen Vorliebe für Zitronenseife sei Dank. Und natürlich James Joyce. Hätte der seinen Helden Leopold Bloom in seinem berühmten Roman „Ulysses“ nicht bei Sweny’s am Lincoln Place einkehren lassen, würde der so kleine wie unscheinbare Laden kaum aus den vielen ähnlichen malerischen Geschäftsfassaden in Dublin hervorstechen. Streng genommen tut „Sweny’s Apothecary“ das auch heute nicht wegen seiner besonders auffälligen Außenansichten. Sondern wegen seiner Geschichte als auch seines Innenlebens. Und eben wegen besagter Zitronenseife. Selbige kaufte Leopold Bloom dort, beschrieb nebenher die Szenerie der Apotheke und trug das Seifenstück den restlichen Tag über, an dem Ulysses spielt, mit sich durch die Stadt herum.

Ein bisschen kann man sich auch heutzutage wie Mr. Bloom fühlen, wenn man so durch die Stadt schlendert, ein Stück Zitronenseife von Sweny’s in der Tasche. Sie wird noch immer hergestellt – man sagt, nach Mr. Swenys altem Rezept – und um sieben Euro pro Stück verkauft. Gut frequentiert ist das kleine, schmale Geschäft mit der dunkelbraunen, original-viktorianischen Einrichtung samt unzähligen Fläschchen und Dosen in unterschiedlichen Größen ebenfalls noch immer. Und das, obwohl die 1853 von F. W. Sweny eröffnete Apotheke seit 2009 für immer geschlossen hat. Ein Anlaufpunkt ist sie dennoch geblieben, dank eingefleischter Joyce-Fans, die sie für Besucher offenhalten, hier Joyce- Lesungen veranstalten und ihre Kundschaft auf Dublin-Tour mit einer Mischung aus Antiquariat und historischem Interieur bedienen. Und man sei, wie gerne betont, ein fixer Teil der literarischen Gesellschaft Dublins. Außer Zitronenseife gibt’s auch Shirts und Bücher zu erwerben.

Einer der Freiwilligen hier ist P. J. Murphy, der mit etwas wirrem, weißen Haar, einer Fliege und weißem Mantel selbst ein wenig wie aus der Zeit gefallen wirkt. Doch das täuscht. Mr. Murphy plaudert gerne mit seinen Besuchern und findet immer eine Verbindung zu James Joyce und Ulysses. Bei Erwähnung des Herkunftsorts Wien zum Beispiel versichert er sich, dass sein Gegenüber Deutsch als Muttersprache spricht, um noch im selben Atemzug zu offenbaren, dass er jeden Sonntag Bücher auf Deutsch lese. Und regelmäßig Wien besuche. Dass sich der Joyce-Kenner dann auf den Spuren von Kaiserin Sisi oder sonstigem Kaiser-Kitsch bewegt, ist allerdings nicht zu befürchten. Für Mr. Murphy sind es die „beautiful“ Antiquariate der Stadt, in denen er Stunden verbringt. Was er in Wien schon aufgestöbert hat, findet sich griffbereit im gut bestückten Bücherregal hinter ihm im Sweny’s. Eine schon etwas zerfledderte Ulysses-Ausgabe ist es, die er sichtlich stolz zeigt und darin blättert. Sie steht neben unzähligen fremdsprachigen Ausgaben. Und vielleicht hat Mr. Murphy für Besucher jeder Nationalität so eine Geschichte parat wie für Wiener.

  • Oscar Wilde: Der Geburtsort des Dichters ist nicht weit entfernt, ein Denkmal steht im Merrion Park
  • Trinity College: Der Uni-Campus liegt gleich um die Ecke, hier kann man gut flanieren und ausspannen. tcd.ie
  • Kennedys Pub: Im Traditionspub direkt gegenüber von Sweny’s; Wilde arbeitete hier als junger Mann, Joyce und auch Simon Becket tranken hier ebenso einige Pints Bier. kennedyspub.ie

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