Leben 22.03.2018

Nur drei von zehn Kindern zeichnen Wissenschaftler weiblich

© Bild: Vasilia Christidou

Und das ist schon deutlich mehr als vor einigen Jahren, wie eine neue Studie über fünf Jahrzehnte zeigt.

Der typische Wissenschaftler ist aus Kindersicht immer noch männlich, aber immerhin jedes dritte Kind denkt an eine Frau, wenn es einen Wissenschaftler zeichnen soll – das zeigt eine Untersuchung, bei der Kinderzeichnungen über fünf Jahrzehnte analysiert wurden.

Die Beteiligung von Frauen in der Wissenschaft ist seit den 1960er Jahren erheblich gestiegen, aber sehr langsam. Das spiegelt sich auch in den Kinderzeichnungen wider, die Forscher der amerikanischen Northwestern University verglichen. Beim sogenannten "Draw a Scientist"-Test zeichnen Kinder heute zwar häufiger Frauen als früher, Männer im Laborkittel dominieren aber nach wie vor.

1960er Jahre: fast nur Männer

In den 1960er und 1970er Jahren stellten weniger als ein Prozent der analysierten Zeichnungen eine Wissenschaftlerin dar. In den achtziger Jahren und später stieg dieser Anteil auf 28 Prozent an. "Diese Ergebnisse zeigen, wie Kinder lernen, Wissenschaft mit Männern zu verbinden und wie sie auf Veränderungen in ihrem kulturellen Umfeld reagieren, etwa die Zunahme von Frauen in der Wissenschaft", sagt Studienleiter David Miller von der Northwestern University. Die Studie umfasst Zeichnungen von mehr als 20.000 Kindern vom Kindergartenalter bis ins Alter von zwölf Jahren in den Jahren 1966 bis 2016.

Kinder zeichnen Wissenschaftler deutlich seltener weiblich.
© Bild: Vasilia Christidou

Interessanter Aspekt ist, dass Kinder bis zum Alter von sieben bis acht Jahren nicht wesentlich mehr männliche als weibliche Wissenschaftler zeichneten – die Zeichnungen waren hinsichtlich Geschlecht etwa ausgeglichen. Mit zunehmendem Alter nahmen jedoch auch geschlechtsspezifische Unterschiede in den Zeichnungen zu, es wurden mehr Männer gezeichnet, außerdem mehr Brillen und Labormäntel. Dies deutet darauf hin, dass mit dem Alter der Kinder auch das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Unterschiede ansteigt und auch, dass ältere Kinder in Schule und Medien mehr mit männlichen Vorbildern aus der Wissenschaft konfrontiert sind als mit weiblichen.

"Die Ergebnisse geben einen Hinweis darauf, dass Mädchen heute ihre Interessen freier entwickeln können, weil die Klischees weniger maskulin geworden sind. Aber die Stereotype bestehen nach wie vor, weshalb Eltern und Lehrer Kinder in naturwissenschaftlichen Kursen, in Fernsehshows und in Gesprächen mehrere Beispiele von männlichen und weiblichen Wissenschaftlern präsentieren sollten", sagt Studienautorin Alice Eagly.

© Bild: Vasilia Christidou
( kurier.at , ege ) Erstellt am 22.03.2018