Leben
15.10.2017

Mann mansplaint Frau ihr eigenes Indiana Jones-Kostüm

Ein Mann fühlte sich in einer Facebook-Diskussion dazu berufen, der Kostümbildnerin zu erklären, dass sie falsch liegt.

Das Phänomen, wenn Männer Frauen die Welt erklären oder ihre Aussagen korrigieren, wird Mansplaining genannt. Dabei ist es ganz egal, ob sich die Frau auf dem Gebiet besser auskennt als der Mann oder nicht. Ein Beispiel für Mansplaining hat nun der Drehbuchschreiber Max Landis auf Twitter dokumentiert.

Ausgangspunkt war eine Quiz-Sendung, über die auf Facebook diskutiert wurde. Bei dieser ging es um den Ursprung des Kostüms von Indiana Jones, das sich im Wesentlichen durch eine Peitsche, eine braune Lederjacke und einen Fedorahut auszeichnet. Das Outfit wurde von Charlton Heston im Jahr 1954 im Film "Secret oft he Incas" getragen. Es wurde schließlich für Indiana Jones adaptiert. Und zwar von Regisseur Steven Spielberg und der Kostümbildnerin Deborah Landis, Mutter von Max Landis.

In der Facebook-Diskussion fühlte sich ein Mann dazu berufen, Deborah zu erklären, dass das Kostüm eigentlich aus dem Film "The Greatest Show on Earth" stamme. Als ihm Landis erklären will, warum er mit dieser Annahme falsch liegt, entgegnet der Mann, dass er das so "in Interviews" mit Spielberg gelesen hätte. Daraufhin antwortete Landis: "Echt jetzt, 'in Interviews?' Ich war dabei. Er ( Spielberg) und ich haben (Secret oft the) Incas in einem leeren Kino zusammen gesehen. Stanley, du willst mich doch verarschen."

Der Begriff Mansplaining verbreitete sich rasant im Internet, nachdem die amerikanische Autorin Rebecca Solnit im Jahr 2008 den Essay "Men Explain Things To Me" in der Los Angeles Times veröffentlicht hatte, der auch der Ausgangspunkt für ein später von ihr veröffentlichtes Sachbuch zum Thema war. Die Autorin gebrauchte den Begriff selbst zwar nicht, beschrieb das Phänomen aber recht anschaulich.

Herabwürdigende Praxis

Vergangenes Jahr verlautbarte die schwedische Gewerkschaft Unionen, dass Mansplaining eine Methode der Unterdrückung sei, durch die am Arbeitsplatz Diskriminierung und mangelnde Chancengleichheit erzeugt werde. Um Bewusstsein für diese schädliche Praxis zu schaffen, die Frauen nach Angaben von Unionen herabwürdigen und weniger kompetent wirken lassen würde, richtete die Gewerkschaft eine temporäre Hotline für von Mansplaining ein. An diese konnten sich Frauen eine Woche lang wenden, wenn sie sich von männlichen Kollegen auf unangenehme Art und Weise belästigt und belehrt fühlten (kurier.at berichtete).

Erst kürzlich ist im Internet eine Wortkreation namens "hepeated" aufgetaucht, die ebenfalls eine Situation beschreibt, die wahrscheinlich vielen Frauen aus dem Arbeitsumfeld bekannt ist (kurier.at berichtete). Und zwar jene, wenn eine Frau einen Vorschlag macht oder eine Idee hat und zunächst überhört wird - und wenn ein Mann dann genau diese Idee aufgreift, wiederholt und dafür Anerkennung bekommt. "Hepeated" setzt sich aus "he", also er, und "repeat", also wiederholen, zusammen.