Leben
13.09.2018

"Kurvenkratzer": Wo krebskranke Menschen zu Wort kommen

Die Initiative "Kurvenkratzer" bietet Menschen, die Krebs als Lebensumstand erleben ein Erfahrungsportal.

Die schockierende Diagnose erhielt die damals hart arbeitende und gut verdienende Jungunternehmerin en passant, in ihrer Mittagspause: "Nach dieser Mittagspause war ich eineinhalb Jahre im Krankenstand", erzählt Martina Hagspiel bei der Präsentation ihrer neuen Initiative "Kurvenkratzer-Influcancer".

Hagspiel ist eine von 350.000 Menschen in Österreich, die mit einer Krebsdiagnose leben müssen. Vor acht Jahren, im September 2010, brach für sie eine Welt zusammen: "Ganz ehrlich, man ist sich mit Anfang dreißig noch nicht seiner Sterblichkeit bewusst." Auch der Hinweis der Ärzte, dass es eine 50:50-Chance für sie gibt, die nächsten fünf Jahre zu überleben, habe nicht zum Wohlbefinden beigetragen.

Hart war für sie so vieles: "Das Trösten der Angehörigen, das rapide Altern, die Gewichtszunahme und die Schmerzen während der Chemotherapie." Auch die Sorge um das Fortbestehen ihres Unternehmens.

"Wir sprechen über Krebs"

Doch sie habe im Laufe der Zeit gelernt, über den Feind in ihrem Körper zu reden und Späße zu machen. "Ein wesentlicher Punkt", betont Martina Hagspiel, die inzwischen sprichwörtlich die Kurve gekratzt hat. Acht Jahre nach ihrer Diagnose hat sie eine neue Herausforderung gefunden. Gemeinsam mit ihrem ehrenamtlich arbeitenden Team und einflussreichen Persönlichkeiten aus der Wirtschaft gründete sie im Internet ein Informationsportal: Auf der Homepage der " Kurvenkratzer", in den sozialen Medien und in einer Medienkampagne kommen Patienten, Angehörige und Mediziner zu Wort, immer verbunden mit der Botschaft: "Egal, wie du über Krebs sprichst, Hauptsache, du tust es."

Martina Denich-Kobula, Vorsitzende im Netzwerk der Wirtschaftskammer "Frau in der Wirtschaft Wien", das 48.000 Unternehmerinnen vertritt, macht darauf aufmerksam, dass nicht alle Menschen in Österreich Zugang zu wesentlichen Informationen über die Krankheit haben. Prävention sei ebenso wichtig wie die Verarbeitung der Diagnose. Sie selbst hatte Glück im Unglück: "Der Krebs im Gebärmutterhals wurde rechtzeitig entdeckt." Das Reden darüber sei aber auch in ihrer Familie anfangs nicht einfach gewesen.

Es gibt viele Momente im Leben von Krebspatienten, da fällt das Lachen nicht leicht, gibt Martina Hagspiel zu. "Etwa, wenn dir ein Arzt gar nicht aus Bösartigkeit etwas erklärt, was dich dann monatelang kiefeln lässt."

Erzählcafé für Leser

Die Kurvenkratzerin lädt ein: In Österreich erkranken pro Jahr 40.000 Menschen an Krebs. Martina Hagspiel lädt KURIER- Leser zu einem Erzählcafé am Mo., 8. 10., ab 19 Uhr. Ort wird noch bekannt gegeben. Eintritt ist frei, eine Anmeldung unter kurvenkratzer@kurvenkratzer.at erforderlich. Mehr Infos finden Sie hier.