Leben | Kiku

Extra aus Ungarn reiste der 82-jährige József Forgács an, um Mittwoch Abend bei einer Gedenkveranstaltung an die von den Nazis ermordeten Roma und Sinti zu sprechen. Mitreißend und bewegend mahnte er anhand seines Schicksals als verschlepptes Kind, das den Großteil der eigenen Familie in den Vernichtungslagern verlor: "Vergesst das nie und erzählt es immer weiter!" Das entspricht auch dem Motto der Gedenkveranstaltung: Dikh he na bister! Schau und vergiss nicht!
Berührende Lieder, weitere Reden und nicht zuletzt eine Ausstellung über junge Heroes dieser Volksgruppe waren Teil der Gedenk-Veranstaltung am Ceija-Stojka-Platz in Wien-Neubau bei der Kirche Altlerchenfeld.

Ceija-Stojka-Platz

Bli9cke auf die Gedenkveranstaltung am Abend des 2. August 2017 © Bild: Heinz Wagner
Die vor viereinhalb Jahren verstorbene Künstlerin hatte als nur eine von sechs Mitgliedern ihrer 200-köpfigen Familie drei Konzentrationslager der Nazi überlebt. Sie war eine der ersten, die früh und öffentlich auf das Schicksal ihrer Volksgruppe aufmerksam gemacht hat – in Büchern, Bildern und vielen Workshops vor allem mit Jugendlichen – in mehr als zwei Jahrzehnten hatten mehr als 12.000 Schülerinnen und Schüler in Workshops mit ihr teilgenommen.

Anlass für die Gedenkveranstaltung ist die sogenannten „Zigeunernacht“: Vom 2. auf den 3. August 1944 wurden in den Gaskammern des Vernichtungslagers Auschwitz von den Nazis 2.897 Roma und Sinti ermordet. Deswegen wurde der 2. August zum internationalen Gedenktag an den Roma-Völkermord, dem rund eine halbe Million Angehöriger dieser Volksgruppe zum Opfer gefallen sind, ein Völkermord, der erst vor zwei Jahren vom Europäischen Parlament anerkannt wurde.

Zeitzeuge

Der aus Ungarn angreiste, als Kind verschleppt, Zeitzeuge József Forgács, psrach auf Romanes - übersetzt von der österreichische… © Bild: Heinz Wagner
Verwandte von Ceija Stojka erinnerten an diese unermüdliche Kämpferin gegen Unrecht, Unterdrückung, Rassismus und für Freiheit, Gleichheit und Frieden. Der schon erwähnte József Forgács, ein ungarischer Rom schilderte kurz sein Schicksal, als er als als 9-Jähriger von den Nationalsozialisten verschleppt wurde und Zwangsarbeit in einer Fabrik in Österreich leisten musste: „Schuften müssen und Schläge wie ein Erwachsener“. Nach der Befreiung aus dem Arbeitslager fand er nach dem Krieg sein Zuhause verwüstet vor. Seine Mutter hatte überlebt, sein Vater war ermordet worden. Und heute wird er in seinem Heimatland schon wieder diskriminiert.

Staatssekretärin Muna Duzdar wies in ihrer Rede u.a. darauf hin, dass es in Österreich noch immer kein zentrales Denkmal für die Tausenden Opfer dieser Volksgruppe gibt und dass der Kampf gegen Vorurteile, Diskriminierung und Rassismus und Ressentiments ein unaufhörlicher Prozess sein muss. Ein Redner war Benjamin Hess, Präsident der Jüdischen Österreichischen HochschülerInnen, der anmerkte, dass bei Nennung der Zahl 6 Millionen die meisten wüssten, dass es sich um die von den Nazis ermordeten Jüdinnen und Juden handelt, während die 500.000 getöteten Roma und Sinti leider noch immer meist nur eine Fußnote im Geschichtsunterricht seien. Niemals vergessen! Dürfe nicht zu einer Worthülse verkommen, verlangte er.

Junge Held_innen

Eine der jungen Held_innen: Mariana Nica, Roma-Aktivistin und Lernbegleiterin einiger Kinder © Bild: Heinz Wagner
Die Gedenkveranstaltung wollte aber nicht nur die Opfer der Nazis und Diskriminierungen, denen Roma und Sinti oft noch heute ausgesetzt sind, thematisieren. Im Hof der Pfarre Altlerchenfeld wurde die im Vorjahr erarbeitete Ausstellung „Opre Heroes – die Zeit ist jetzt“ eröffnet. Sie zeigt junge, selbstbewusste Angehörige dieser Volksgruppe. Plakativ mit Umhängen posieren sie auf Fotos als Heldinnen und Helden. „Man braucht also keine Röntgenaugen wie Superman oder Spinnweben wie Spiderman, um ein Superheld zu sein. Manchmal reicht es auch, sich für andere Menschen stark zu machen oder die Stimme der Gerechtigkeit zu erheben“, heißt es in der Broschüre zu der Ausstellung.

Zu einer Kiku-Story mit Interviews mit zwei jungen Roma-Held_innen

... von der Gedenkveranstaltung am 2. August 2017