Leben
10/09/2019

Hype um "The Labor Inducer": Dieser Burger soll Wehen fördern

Der würzige Burger, der in einem Restaurant in Minnesota serviert wird, zieht die Aufmerksamkeit schwangerer Frauen auf sich.

Vollmond, Sex, heiße Bäder: Die Liste möglicher wehenanregender Hausmittel ist lang. In den USA sorgt in diesem Zusammenhang derzeit ein Restaurant für Schlagzeilen. Im The Suburban in der Stadt Excelsior, Minnesota, wird ein Burger kredenzt, der das Einsetzen der Wehen bei schwangeren Frauen stimulieren soll.

Im Netz verbreiten sich Bilder des Burgers derzeit wie ein Lauffeuer, etliche Medien haben den Rummel um das Lokal bereits aufgegriffen.

Aber alles der Reihe nach.

Die US-Amerikanerin Cindy Berset führt das The Suburban zusammen mit ihren beiden Töchtern. Um sich für einen Burgerwettbewerb zu rüsten, probierte Berset vor einigen Monaten verschiedene Rezepturen aus. Bersets Tochter Kelsey Quarberg, zu diesem Zeitpunkt hochschwanger, probierte eine süß-würzige Burgerkreation – und fand sich wenige Stunden später im Kreißsaal wieder.

"Um Mitternacht gingen die Wehen los"

"Sie aß den ganzen Burger und um Mitternacht gingen die Wehen los", erinnerte sich Berset krüzlich im Interview mit CBS Minnesota. Mit dem Burger – bestehend aus Rindfleisch vom Angus Rind, Käse, karamellisierten Zwiebeln, Honig-Speck, Remoulade, würzigem Senf und einem Brezel-Brötchen – belegte das Lokal den dritten Platz im Burgercontest. Man taufte ihn "The Labour Inducer", zu Deutsch "Der Wehenförderer".

Nur wenige Wochen später weckte das Gericht den Appetit einer schwangeren Kundin. Als Katy Engler bemerkte, dass "Der Wehenförderer" zum Burger des Monats des Restaurants gekürt wurde, entschloss sie sich, diesen zu verkosten. "Es war der Tag meines Geburtstermins und ich hatte wirklich keine Lust mehr, schwanger zu sein", erzählte Engler CBS Minnesota.

Einige Stunden später lang auch Engler in den Wehen.

Zufall?

Aber fördert scharfes Essen tatsächlich die Wehen? Nein, sagen Experten.

"Würzige Lebensmittel lösen keine Wehen aus, obwohl dies oft als Empfehlung angegeben wird", erklärte Jonathan Schaffir, Gynäkologe am Wexner Medical Center der Ohio State University, gegenüber Yahoo Lifestyle. "Mehrere Restaurants bieten Gerichte an, von denen sie behaupten, dass sie bei werdenden Mütter, die das Warten satthaben, Wehnen auslösen." Derartige "Erfolgsgeschichten" seien vielmehr Zufall als medizinisch relevant: "Das betrifft Frauen, bei denen ohnehin die Wehen eingesetzt hätten, unabhängig davon, ob sie Pizza, Burger oder etwas Anderes konsumiert hätten."

Keine Belege

Das sieht auch Leah Millheiser, Gynäkologin am Stanford University Medical Center, so. "Ich habe Patientinnen, die zwei Wochen lang scharfe Tacos und Kimchi (fermentierter Chinakohl, Anm.) gegessen haben und es ist nie etwas dabei herausgekommen", sagte Millheiser gegenüber Yahoo Lifestyle. "Wir hören oft, dass würzige Lebensmittel Wehen verursachen, aber dafür gibt es keinerlei Belege."

Auch die wehenfördernde Wirkung des Vollmondes, eines heißen Schaumbades oder eines Orgasmus sei wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Der Mythos rund ums scharfe Essen würde Schaffir zufolge "auf die Auffassung zurückgehen, dass die Stimulation des Darms zur Stimulation der Gebärmutter beiträgt, da beide Organe die Dinge nach unten drücken". Schaffir weiter: "Der sicherste und beste Weg für eine medizinisch unkomplizierte Schwangerschaft ist aber, darauf zu warten, dass die Wehen von alleine einsetzen."

Die Zeit bis dahin könne man sich den Experten zufolge aber jedenfalls mit einem wohlschmeckenden Burger vertreiben.