Leben
14.12.2017

Goldener Penis: "Wienerin" kürt Sexisten-Sager 2017

Das österreichische Frauenmagazin vergibt zum dritten Mal den Anti-Preis gegen Alltagssexismus.

Dass Sexismus auch im Jahr 2017 noch immer ein allgegenwärtiges Problem ist, haben unter anderem die Äußerungen von Donald Trump oder die Enthüllungen über Harvey Weinstein eindrücklich bewiesen. Aber auch hierzulande gab es genügend sexistische Aussagen, denen sich das österreichische Frauenmagazin Wienerin heuer zum dritten Mal in Folge in Form eines Rankings angenommen hat. Die Top 10 der sexistischsten Sager des Jahres werden mit dem Goldenen Penis, einem Anti-Preis gegen Alltagssexismus, ausgezeichnet.

An die Spitze geschafft haben es das Verhüllungsverbot (in Vertretung hierfür ÖVP-Politiker Wolfgang Sobotka), Schauspielerin Nina Proll und Extremsportler Felix Baumgartner. Außerdem wird heuer erstmals der Platin-Preis fürs Lebenswerk verliehen - dieser geht an den Ex-Nationalratsabgeordneten Marcus Franz.

"Alltagssexismus in Österreich ist sehr präsent und wird dank Social Media noch öffentlicher gelebt als in den vergangenen Jahren", heißt es dazu in einer Aussendung von der Wienerin-Chefredakteurin Barbara Haas. Wenn bekannte Persönlichkeiten sexistische Aussagen tätigen, würden sie diese für viele andere legitimieren. Diese Verantwortung wolle man aufzeigen. Aus Sicht der Redaktion sei das Verhüllungsverbot so ziemlich "das sexistischste Ding, das der Bundesregierung im vergangenen Jahr eingefallen ist."

1. Verhüllungsverbot

Das Verhüllungsverbot (Antigesichts-Verhüllungsgesetz oder AGesVG), das seit dem 1. Oktober 2017 in Kraft ist, ist für die Redaktion alles andere als ein Zeichen gegen Diskriminierung von Frauen. "Es ist ein fadenscheiniges Gesetz auf dem Rücken von Frauen, das weder Frauenrechte schützt noch das tatsächliche Thema, die Freiwilligkeit einer religiös begründeten Verschleierung von Frauen, angeht. Frauenkörper scheinen für manche Männer noch immer die größte Gefahr darzustellen. Deshalb werden sie kontrolliert, verdrängt, bedrängt, reguliert. Da sind sowohl das religiöse Gebot, ein Kopftuch zu tragen, als auch das Anti-Verhüllungsgesetz keine Ausnahmen. Dass sexistische, patriarchale Traditionen mit weiterem Sexismus nicht eliminiert werden, dürfte wohl jedem einleuchten", heißt es dazu in einem Kommentar von Barbara Haas.

2. Nina Proll

Die Schauspielerin erntete für ihre Äußerungen zur #metoo-Debatte sowohl Zuspruch als auch Kritik (kurier.at berichtete). "Wollen wir Männern verbieten, sexuelle Avancen zu machen?" und weiter: "Oder können wir uns noch darüber freuen, wenn ein Mann versucht uns ins Bett zu kriegen?" ist sie von der Wienerin auf den Platz 2 gereiht worden.

3. Felix Baumgartner

Der Extremsportler kommentierte mit der Aussage "Bei der Figur auch kein Wunder" Corinna Milborns Kritik an einer umstrittenen Palmers-Werbung, auf der sechs Frauen zu sehen waren, die nur mit Unterhose bekleidet bäuchlings auch einem schmutzig aussehenden Teppich liegen (kurier.at berichtete). Das Sujet wurde vom österreichischen Werberat verurteilt.

Weitere Preisträger des Goldenen Penis' 2017 sind unter anderem der Ex-Politiker Peter Pilz und das Unternehmen Palmers. Die Redaktion der Wienerin möchte sich außerdem selbst nicht aus der Verantwortung nehmen und belegt daher ebenfalls einen Platz im Ranking. Für einen Kommentar, in dem ein Mann gefeiert wird, der seine "kurvige" Frau liebt. Dabei sollte das laut Wienerin kein Thema mehr sein und schon gar keine Errungenschaft, die Lob verdient.

Mehr Details zu allen zehn Nominierten gibt es hier.