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Leben
05/17/2019

"Frauen sehen sich als ihren eigenen besten Feind"

Die Bloggerin Anuschka Rees über Unterschiede zwischen Therapeuten und sozialen Medien im Umgang mit Körperbildern.

Viele Frauen werden sich in der Biografie von Anuschka Rees wiederfinden: Ihre Zwanziger verbrachte die Berlinerin mit einer Diät nach der anderen und dem ständigen Vergleich mit wunderschönen Menschen in sozialen Medien. Bis sie sich ein Jahr Zeit nahm, um Strategien für mehr Selbstbewusstsein und ein besseres Körperbild zu suchen. In Form von konkreten Tipps hat sie diese in ihrem Buch „Beyond Beautiful“ veröffentlicht.

KURIER: Was hat Sie bei der Recherche überrascht?

Anuschka Rees: Dass es unter Frauen total verbreitet ist zu behaupten, dass sie es sind, die die Standards und Ansprüche an sich selbst festlegen. Sie sehen sich als ihren eigenen besten Feind.

Ist da nicht etwas Wahres dran?

Wenn wir auf einer einsamen Insel wären, wäre es uns total egal, wie unser Hintern aussieht. Wir können die Ansprüche an uns selbst nicht von der Gesellschaft trennen, in der wir aufgewachsen sind. Schönheitsideale verändern sich im Laufe der Zeit. Man muss sich im Klaren sein, dass sie von außen kommen. Erst dann kann man verstehen, dass nicht der eigene Körper an sich das Problem ist, sondern, wie man sich damit fühlt. Und dieser Druck kommt von außen.

Sie haben Psychologie studiert. Wie beurteilen Sie den Umgang mit Unsicherheiten den eigenen Körper betreffend in den sozialen Medien?

Ich finde kritisch, dass dort meist nur versucht wird, Frauen ihre Probleme mit dem eigenen Körperbild zu nehmen, indem man ihnen sagt, dass sie schön sind.

Ein Therapeut hingegen würde nachfragen, warum einen dieses Thema überhaupt so stark beschäftigt. Er würde versuchen, der Person zu vermitteln, dass das eigene Aussehen gar nicht so ausschlaggebend ist und nicht den eigenen Wert bestimmt.

Die Body-Positivity-Bewegung hat Bewusstsein für Körper abseits der Model-Norm geschaffen. Eine gute Entwicklung?

Ja, das hat viel in unserer Gesellschaft verändert. Wir sollten aber einen Schritt weiter gehen und fragen, ob Schönheit überhaupt so wichtig sein sollte. Ich finde Body Neutrality, also eine neutrale Haltung gegenüber dem eigenen Körper, besser.

Der Idee, Ihre Oberschenkel auf Instagram zu feiern, können sie nichts abgewinnen?

Die Vorstellung, dass man einzelne Körperteile lieben sollte, finde ich grundsätzlich ein bisschen merkwürdig. Superstarke positive Gefühle zu all seinen Körperteilen haben zu sollen, um sich glücklich zu fühlen, erzeugt eine neue Form von immensem Druck.

Was ist Ihre Erkenntnis?

Das Ziel sollte nicht sein, sich selbst total schön zu finden. Denn das ist nicht notwendig, um glücklich zu sein.

Anuschka Rees: "Beyond Beautiful" DuMont Verlag. 208 Seiten. 25 Euro