Leben
21.06.2017

Mutter verbietet Sohn Schulausflug - aus gutem Grund

Audrey Scaviner verbot ihrem Sohn Mani an einem Schulausflug teilzunehmen. Was streng und unverständlich klingt, hat einen ernsten Hintergrund.

Für eine französische Schulklasse geht es anlässlich des Schulschlusses dieses Jahr in den Meeresthemenpark "Marineland Antibes" an der Côte d'Azur. Der Ausflug wird jedoch ohne den siebenjährigen Mitschüler Mani stattfinden. Er muss am 29. Juni zuhause bleiben.

"Ethisch nicht akzeptabel"

Den Grund für das "Verbot" erklärte seine Mutter Audrey Scaviner der Klassenlehrerin in einem Brief. Diesen postete sie am vergangenen Mittwoch auch auf Facebook. "Wir (sie und ihr Sohn, Anm. der Redaktion) denken, dass es ethisch nicht akzeptabel ist, Delfine und Orcas, die im Meer pro Tag zwischen 100 und 200 Kilometer zurücklegen, in Pools einzusperren und durch Reifen springen zu lassen." Sie werde ihren Kindern nicht beibringen, Tiere in Not zu bestaunen. Update 21. Juni/14:40: Das Posting wurde mittlerweile gelöscht. Unter dem Artikel finden Sie einen Screenshot des Beitrags.

Das berichtet die deutsche Zeitung Die Welt unter Berufung auf die französische Huffington Post, die ein Interview mit Scaviner führte.

Auf Facebook sammelte der Post der Französin binnen weniger Tage tausende Likes, derzeit steht die Like-Zahl bei über 10.000. In den über 3.000 Kommentaren pflichten viele User Scaviner bei. "Bravo", "großartige Entscheidung, "Respekt" und "genial" heißt es da. "Für seine Meinung einzustehen ist wichtig. Ich ziehe den Hut vor Ihnen", schreibt eine Userin anerkennend. "Zoos aller Arten sind Gefängnisse für die unschuldigen Tiere", kritisiert ein anderer Nutzer.

"Es ist Ihre Entscheidung, und ich respektiere sie"

Der Huffington Post erzählte Scaviner im Gespräch, dass sie ihren Sohn nicht einfach vom Besuch des Tierparks, in dem Besuchern Vorführungen mit Delfinen, Seelöwen, Seehunden und anderen Meeresbewohnern gezeigt werden, abgehalten hätte. Sie habe ihn gefragt, ob er in das "Marineland" gehen wolle, das habe er verneint. Auf Facebook schildert die Mutter auch die Reaktion der Klassenlehrerin ihres Sohnes. Sie schrieb ihr: "Es ist Ihre Entscheidung, und ich respektiere sie."

Meeresparks in der Kritik

Meeresparks wie jener an der Côte d'Azur stehen seit Jahren massiv in der Kritik. Mit Protesten richten sich Tierschützer gegen die Haltungsbedingungen, beispielsweise gegen zu kleine Becken für Orcas.

In Frankreich wurde im Mai dieses Jahres ein Gesetz verabschiedet, dass die Haltung von Delfinen und Orcas in Gefangenschaft verbietet. Ausgenommen sind jene Tiere, die bereits vor dem Inkrafttreten der gesetzlichen Regelung in einem Meerespark lebten. Das neue Gesetz schreibt außerdem vor, dass die Becken von Orcas und Delfinen um mindestens 150 Prozent vergrößert werden, damit die Tiere mehr Abstand zu Besuchern und anderen Tieren haben. Direkter Kontakt zwischen den Meeressäugern und Besuchern ist künftig verboten. Das Wasser in den Becken darf zudem nicht mehr mit Chlor versetzt werden. Tierschutzorganisationen begrüßten das Gesetz als "historischen" Vorstoß Frankreichs.

Im vergangenen Sommer verkündete das National Aquarium Baltimore in den USA, seine Delfine künftig in einem Wasserschutzgebiet halten zu wollen. Zuvor hatten die amerikanischen Seaworld-Freizeitparks bekannt gegeben, künftig auf Orcas im Programm zu verzichten.