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Leben Family
11/20/2021

Hilfe für Kinderherzen, denen wehgetan wird

Lehrer sind oft die einzige Hilfe für Kinder, die daheim Gewalt erfahren.

von Laila Docekal

„Jedes Kind, dem schon einmal von einem Erwachsenen wehgetan wurde, malt ein Herz auf die Tafel.“ Ein Kind nach dem anderen steht auf, am Schluss sind 17 Herzen auf der Tafel. Volksschullehrerin Anna Gruber (Name geändert) muss schlucken. „Oft ist mehr als die Hälfte der Schüler betroffen. Manchmal beginnen Kinder zu weinen oder brechen sogar zusammen – im besten Fall steht eine Sozialarbeiterin oder ein Beratungslehrer bereit, um das Kind aufzufangen.“

Gruber hat eine Fortbildung zu Gewaltschutzprävention absolviert und macht mit den Klassen in ihrer Schule Gesprächskreise: „Wir reden darüber, wie man miteinander umgeht. Ich erkläre den Kindern ihre Rechte, was Gewalt ist und dass keiner jemand anderem wehtun darf: Kindern anderen Kindern nicht und es ist Gesetz, dass Erwachsene Kindern auch nicht wehtun dürfen.“

Draht nach außen

„Wir Lehrer sind für viele Kinder die einzigen Menschen, die helfen können. Man muss sich für solche Gespräche Zeit nehmen, offen sein und das emotional verkraften“, betont Gruber und erzählt von einem Kind, das vom Onkel missbraucht wurde und sich ihr anvertraut hat.

In solchen Fällen ist es die gesetzliche Pflicht von Lehrern, eine Meldung an den Kinder- und Jugendhilfeträger zu machen. „Es gibt aber auch Fälle, wo ein Bauchgefühl sagt, da stimmt etwas nicht“, erklärt Jürgen Bell von der Wiener Bildungsdirektion und verweist auf Unterstützungssysteme von Schulsozialarbeit über Beratungslehrer bis zu Schulärzten. „Zwar gibt es keine Supervision für Lehrer, aber etwa Handlungsleitfäden mit Ansprechpartnern oder Fortbildungsprojekte, wo Lehrer Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt bekommen, um sicherer im Umgang zu werden.“

"Keine Scheu, wenn Kinder Signale zeigen"

Rund 10.000 Meldungen gehen jedes Jahr bei der Kinder- und Jugendhilfe ein. Die Betroffenen stammen dabei quer aus allen Bevölkerungsgruppen. „Kinder sind sehr abhängig von der Aufmerksamkeit ihrer betreuenden Personen. Da ist es wichtig, dass Lehrer keine Scheu haben hinzuschauen, wenn Kinder Signale zeigen“, erklärt Christian Oswald vom Schulkooperationsteam der Wiener Kinder- und Jugendhilfe, das seit über zwei Jahren als Anlaufstelle für Lehrer, Eltern und Kinder dient. Hier können Lehrer auch anonym um Rat fragen, wenn ihnen etwas auffällt.

„Je nach Situation klären wir ab, was schon versucht und was erreicht wurde. Wir können Kontakt mit der Familie aufnehmen und Kurzzeitberatung anbieten.“ In vielen Fällen helfe es schon, dass jemand von außerhalb des Schulsystems vermittelt.

Alleine in den vergangenen zwei Wochen musste Gruber mit Unterstützung ihrer Schulleiterin fünf Mal die Kinder- und Jugendhilfe hinzuziehen. „Kinder erzählen solche Dinge nicht von selbst. Sie sind im Unterricht unaufmerksam, schlagen andere oder zerstören fremdes Eigentum. Das hat immer einen Grund.“

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